Burke,
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selben Ueberzeugung heraus, alle als Mittel zur Erreichung
des Haupizwecks. Er war von Anfang und blieb bis zum Ende
der Feind der Willkürherrschaft, sei es dass diese von einer
absolutistischen Krone, sei es dass sie von erregten Massen
zeübt wird. Er wollte die Herrschaft des Gesetzes statt der
Herrschaft momentaner Interessen und Leidenschaften, er
wollte die mit der Ordnung verbundene Freiheit, er wollte
jenes Maass verfassungsmässiger Freiheit, wie es die glorreiche
Revolution festgestellt hatte, jenes Maass historisch geheiligter
Freiheit, das die alten Whigs seit 1688 vertreten hatten, er
wendete sich gegen Alle, die dieses Maass einschränken oder
ausdehnen wollten. Und der Grund dafür war nicht, dass
diese Verfassung einem theoretischen Ideal entsprach — SON-
dern dass Burke sie mit aller Macht liebte und dass sie nach
seiner Meinung durchaus bewährt war und das Wohl des
Volks am besten sicherte — Sie sollte erhalten bleiben, weil
sie dem Gefühl des echten Engländers werth war und seinem
praktischen Verstand zweckmässig erschien.
Das war Burke’s Standpunkt; ehrenwerth und stark, wo
er sympathisch gestimmte Seelen fand — aber unfähig Gegner
zu bekehren, die mit der Kraft des Glaubens eine andere
Theorie erfasst hatten und die eine andere Verfassung für
nützlicher hielten,
Charakteristisch ist, dass Burke’s erste Schrift die
„Vindication of Natural Society“ gegen Bolingbroke ge-
richtet, bereits eine prineipielle Stellung gegen revolutionären
Radicalismus einnimmt. Durch witzvolle deductio, ad absur- “
Adum beweist Burke, dass man mit denselben Argumenten,
mit denen man die positive Religion angreift , jede staatliche
Ordnung einstürzen könne; dass die Uebel, über welche die
anarchischen Gegner der bestehenden Ordnung klagen, in jedem
Staat unvermeidlich sind. Die herkömmlichen econservativen
Anschauungen von Staat und Religon, "Thron und Altar wer-
den in Schutz genommen gegen yationalistische Naturzustands-
ideen, die falsch sind, weil sie praktisch schädlich sind
(Bd. 1.8. 4).
In der Schrift „Thoughts on the Cause of the Present