Full text: Zwei Bücher zur socialen Geschichte Englands

Burke, 
135 
selben Ueberzeugung heraus, alle als Mittel zur Erreichung 
des Haupizwecks. Er war von Anfang und blieb bis zum Ende 
der Feind der Willkürherrschaft, sei es dass diese von einer 
absolutistischen Krone, sei es dass sie von erregten Massen 
zeübt wird. Er wollte die Herrschaft des Gesetzes statt der 
Herrschaft momentaner Interessen und Leidenschaften, er 
wollte die mit der Ordnung verbundene Freiheit, er wollte 
jenes Maass verfassungsmässiger Freiheit, wie es die glorreiche 
Revolution festgestellt hatte, jenes Maass historisch geheiligter 
Freiheit, das die alten Whigs seit 1688 vertreten hatten, er 
wendete sich gegen Alle, die dieses Maass einschränken oder 
ausdehnen wollten. Und der Grund dafür war nicht, dass 
diese Verfassung einem theoretischen Ideal entsprach — SON- 
dern dass Burke sie mit aller Macht liebte und dass sie nach 
seiner Meinung durchaus bewährt war und das Wohl des 
Volks am besten sicherte — Sie sollte erhalten bleiben, weil 
sie dem Gefühl des echten Engländers werth war und seinem 
praktischen Verstand zweckmässig erschien. 
Das war Burke’s Standpunkt; ehrenwerth und stark, wo 
er sympathisch gestimmte Seelen fand — aber unfähig Gegner 
zu bekehren, die mit der Kraft des Glaubens eine andere 
Theorie erfasst hatten und die eine andere Verfassung für 
nützlicher hielten, 
Charakteristisch ist, dass Burke’s erste Schrift die 
„Vindication of Natural Society“ gegen Bolingbroke ge- 
richtet, bereits eine prineipielle Stellung gegen revolutionären 
Radicalismus einnimmt. Durch witzvolle deductio, ad absur- “ 
Adum beweist Burke, dass man mit denselben Argumenten, 
mit denen man die positive Religion angreift , jede staatliche 
Ordnung einstürzen könne; dass die Uebel, über welche die 
anarchischen Gegner der bestehenden Ordnung klagen, in jedem 
Staat unvermeidlich sind. Die herkömmlichen econservativen 
Anschauungen von Staat und Religon, "Thron und Altar wer- 
den in Schutz genommen gegen yationalistische Naturzustands- 
ideen, die falsch sind, weil sie praktisch schädlich sind 
(Bd. 1.8. 4). 
In der Schrift „Thoughts on the Cause of the Present
	        
Waiting...

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.