Full text: Zwei Bücher zur socialen Geschichte Englands

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Erstes Buch, Cap. 1. 
Discontents‘*‘ von 1771 wendet sich der aufrichtige Whig 
gegen absolutistische Tendenzen, die sich unter der Idee 
verbergen, man müsse das Königthum frei machen von 
dem Einfluss der Parteien. Der natürliche Liberalismus 
versteigt sich zu dem Satze, dass im Zweifelsfall bei 
Streit zwischen Volk und Regierung das Volk recht habe — 
natürlich aber das conservative, loyale englische Volk. 
Das Volk soll die Minister nicht wählen, aber das Parlament, 
welches in Wahrheit die öffentliche Meinung repräsentirt, soll 
Uebergriffen der Krone begegnen, indem es unpopulären 
Ministern Geld verweigert. Die einflussreichen Classen im 
Ataate müssen für eine Regierung sorgen, die nicht Alle be- 
friedigt, aber dem Volke ein grosses Maass von Zufriedenheit 
gewährt. Das Haus der Gemeinen muss eine Controle der 
Regierung für das Volk, nicht eine Controle des Volks 
ausüben (Bd. II. S. 288). Burke vertheidigt Wilke und klagt 
über die Corruption des Parlaments — er will ein Haus der 
Gemeinen, das die öffentliche Meinung repräsentirt, mit fest 
zusammenhaltenden Parteien, keine Hofregierung, sondern eine 
aus der Mehrheit des Parlaments hervorgehende Regierung, 
die dann das Vertrauen des Volks nothwendig hat. Um dies 
zu erreichen und die „Königsmänner“ aus der Regierung zu 
entfernen, braucht man demonstrative Versammlungen der 
Grafschaften und Corporationen, aber ja keine radicale Ver- 
fassungsänderung, nicht einmal kürzere Wahlperioden. „Jeder 
Plan einer wesentlichen Aenderung einer Verfassung, ‚die so 
complicirt ist wie die ‚unserige, und gar in einem Moment 
womöglich noch complicirterer äusserer Verhältnisse ist eine 
Sache voll der grössten Schwierigkeiten, in der ein über- 
legender Mann nicht zu schneller Entscheidung, ein kluger 
nicht zu raschem Wagen, ein ehrlicher nicht zu raschen Ver- 
sprechungen geneigt sein kann.“ 
Wie im Kampf gegen die Hofcamarilla so tritt uns Burke 
als Vertreter der loyalen Opposition namentlich entgegen in 
seiner Stellung gegenüber der amerikanischen Frage. Das 
Mutterland soll die Colonien nicht besteuern — aber nicht 
weil dies gegen die Menschenrechte der Colonisten verstösst,
	        
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