A. Smith.
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Weiteres gehen liess, ohne sich über sie und ihren Grund aus-
drücklich zu erklären. Bei der entschieden hochpatriotischen
Gesinnung, die an vielen Stellen durchbricht und der abso-
luten Abwesenheit jeder kosmopolitischen Schwärmerei, bei
äem bitteren Tadel, den der Egoismus der Kaufleute oft er-
fährt, ist es ganz unverkennbar, dass auch, während A, Smith
den „Wealth of Nations“ schrieb, er niemals der Ansicht war,
lass der individuelle Egoismus den ganzen Menschen allein
beherrsche oder beherrschen solle. Er entwickelt nie allge-
meine philosophische Prineipien und äussert sich nirgends über
seine wissenschaftliche Methode und über ihre Gründe. Aber
88 kann nichtsdestoweniger als ausgemacht gelten, dass er in
dem „Wealth of Nations“ die egoistischen Triebe des Menschen
nur deshalb in den Vordergrund schob und von ihrer Be-
grenzung durch andere Triebe nur deshalb nicht sprach —
weil er annahm, dass das Gebiet wirthschaftlicher Erscheinungen
zunächst isolirt werden müsse, um verstanden zu werden, und
weil er der Ansicht war, dass man sich vorerst an die Haupt-
arsachen des wirthschaftlichen Handelns halten, die Neben-
ırsachen ignoriren müsse. um zu klaren Resultaten zu ge-
langen. —
A. Smith hat auch nie daran gedacht, aus der bewusst
einseitigen Prämisse vom menschlichen Egoismus allein das
ganze Lehrgebäude seiner Wissenschaft durch logische Schlüsse
abzuleiten. Er hat zwar nicht andere psychologische Aus-
gangspunkte ebenfalls in’s Auge gefasst, aber seine Ansichten
überall in der eingehendsten Weise auf vergangene und gegen-
wärtige Thatsachen begründet. Yiele Ansichten, wie z. B. die
iber die finanzielle Unergiebigkeit der Domänen, sind fast
ausschliesslich durch praktische Erfahrungen begründet; bei
allen einzelnen Fragen, die er überhaupt behandelt, sind Bei-
spiele aus der Praxis ein Hauptmittel zum Beweise. Oft
kommen lange erzählende Exeurse; die Steuerlehre schliesst
sich nach Aufstellung der obersten Grundsätze fast ganz an
die faktischen Zustände, namentlich in England an. Wer das
Buch aufmerksam liest, wird darin eine ausgezeichnete Schilde-
‚ung der gesammten socialen Verhältnisse, des Standes der