Full text: Zwei Bücher zur socialen Geschichte Englands

A, Smith, 
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das Anwachsen des Capitals, nicht durch die absolute Menge 
des letzteren; gut bezahlte Arbeiter leisten mehr als schlecht 
bezahlte; hoher Lohn befördert also sogar den Export; Mensch- 
lichkeit und Interesse sollen die Arbeitgeber zu guter Behand- 
lung der Arbeiter veranlassen; selbständige Arbeitende leisten 
mehr als Lohnarbeiter; die Meister haben ein natürliches 
Üebergewicht über die Arbeiter (Buch I, Cap. 8); die Coalitions- 
zesetze sind parteiisch gegen die Arbeiter (Buch I, Cap. 10). 
Auch die etwas verworrene Lehre, dass das in der Landwirth- 
schaft angelegte Capital am meisten, das im Handel angelegte 
am wenigsten hervorbringe, (Buch II, Cap. 5) zeugt nicht von 
Vorliebe für den Stand der Capitalisten. 
In der Lehre, dass die Landrente durch den Culturfort- 
Schritt ohne Verdienst der Grundeigenthümer wachse (Buch I, 
Cap. 11), liegt freilich der Grundgedanke der Ricardo’schen 
Grundrentenlehre, ebenso wie sich Buch I, Cap. 8 der Keim 
ler Malthus’schen Bevölkerungslehre findet: 
„Jede Art Thiere vermehrt sich natürlicher Weise in 
der Proportion ihrer Nahrungsmittel; und keine‘ Art kann 
sich über diese Proportion hinaus vermehren. In civilisirten 
Gesellschaften kann aber der Mangel an Unterhalt nur unter 
den niedigeren Ständen des Volkes der ferneren Vermehrung des 
Menschengeschlechts Grenzen setzen‘ — indessen nirgends 
finden wir eine Spur von Feindseligkeit gegen die grund- 
besitzende Aristokratie oder von Härte gegen die Arbeiter. 
Deutlich sogar lässt sich erkennen, dass der Gewinn des” 
Capitals nicht als eine "naturgemäss nothwendige Vergeltung 
gewisser Dienste, sondern als etwas betrachtet wird, das die 
Macht des Besitzes der Arbeit abringt. Es kommen Aus- 
drücke vor, die man ‚heute als socialistisch brandmarken 
würde; z. B. Buch V, Cap. 1: „Auf einen sehr reichen Mann 
muss es wenigstens fünfhundert Arme geben und der Ueber- 
fuss einiger Weniger setzt die Dürftigkeit Vieler voraus.‘ 
Oder Buch V, Cap. 1: „Insofern die bürgerliche Regierung 
eingeführt ist, um das Eigenthum sicher zu stellen, ist 
sie wirklich zum Schutze der Reichen gegen die Armen, oder— 
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