Full text: Zwei Bücher zur socialen Geschichte Englands

A. Smith. 
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vertheidigung hervorgehoben; freilich muss dazu bemerkt 
werden, dass er die UVeberlegenheit stehender Heere aus- 
schliesslich aus den natürlichen Vortheilen der Arbeitsthei- 
lung und der dadurch entstehenden Vebung erklärt, dass er 
kriegerische Siege durchaus nicht dem Wirken ethischer 
Kräfte zuschreibt. Auch seine Lehre, dass für Unterricht, 
namentlich für Elementarschulen, öffentliche Mittel verwendet 
werden müssen, und dass Elementarschulzwang am Platze sei, 
wird in ihrer Bedeutung sehr eingeschränkt durch den in 
vielen Variationen wiederkehrenden Satz, dass die Güte des 
Lehrers von der Bezahlung der Schüler abhänge. Aber es 
bleibt wahr, dass A. Smith weder zu den krämerhaften 
Friedensaposteln wie später Bentham und Cobden gehörte, 
noch den Staat unbedingt auf den Nachtwächterdienst redu- 
siren wollte. ‘ Indessen, so gross Adam Smith in all diesen 
Fragen gegenüber seinen Nachfolgern dasteht, dennoch hat er 
auf seine Nation in ethischer Hinsicht ganz anders gewirkt 
als Kant, und es lässt sich nicht leugnen, dass er selbst von 
lem Geiste des Individualismus stark ergriffen war. Er war 
es nicht ausschliesslich, aber gerade bei seinen einfachsten 
and deshalb wirksamsten nationalökonomischen Lehren zahlte 
ar dem Geiste der Zeit seinen Tribut — gerade wie auch 
Colbert persönlich über viele Schwächen des Merkantilsystems 
erhaben demselben dennoch in der erfolgreichsten Weise diente. 
Wenn auch Oncken zu beweisen versucht, dass Friedrich 
List aus Adam Smith Beweise für seine Tendenzen hätte 
antnehmen können, so kann doch kein Vorurtheilsfreier ver- 
kennen, dass es vor Allem vier rein negative Reformen waren, 
für deren Durchführung resp. Vorbereitung Adam Smith ar- 
beitete, nämlich Freizügigkeit, Gewerbefreiheit, Freihandel 
und freies Eigenthum an Grund und Boden. Ebenso ist un- 
yerkennbar, dass Adam Smith zwar das Wort „Laissez faire 
et passer‘ nicht ausspricht, diese Regel aber in Bezug auf 
wirthschaftliche Dinge als ein aus dem Naturrecht sich er- 
gebendes Princip behandelt, und dass er dabei vielfach in 
einen ethischen Materialismus verfällt. Gewiss hat Adam 
Amith recht. wenn er das englische Heimathsrecht seiner Zeit
	        
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