Full text: Zwei Bücher zur socialen Geschichte Englands

D. Ricardo. 
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sein. Dagegen in einem kleinen; aber fruchtbaren Lande, 
besonders wenn freie Korneinfuhr gestattet ist, mag 
man grosse Capitalmassen ansammeln, ohne starkes Sinken 
des Procentsatzes der Profite oder starkes Steigen der Grund- 
rente,“ 
Oder: „die natürliche Tendenz des Profits ist zu fallen; 
denn bei Fortschritt der Gesellschaft und des Reichthums 
wird die zunehmende Menge von nothwendigen Nahrungs- 
mitteln durch Aufwendung von mehr und mehr Arbeit er- 
langt.“ Darauf folgt der Beweis, dass von einem gewissen 
Puncte der Capitalvermehrung ab nicht nur der Profit im 
Verhältniss zum Capital, sondern in absoluter Summe ab- 
nehme. 
Difficile est satiram non seribere. Der Capitalist müht 
sich ab und vermehrt das Capital; dadurch wird es möglich, 
dass immer mehr Arbeiter ihren Lebensbedarf erhalten, der 
Capitalist wird aber bei dem allgemeinen Fortschritt immer 
ärmer, der unthätige Grundherr steckt allen Gewinn ein, und 
der Arbeiter leidet mit dem Capitalisten unter dem aussaugen- 
den Grundherrn! Das etwa ist Ricardo’s Vorstellung über die 
Vertheilung des Nationaleinkommens in einer fortschreitenden 
Gesellschaft, in welcher das Capital allein gerechten Grund 
zur Klage hat, und vor Allem Abschaffung der mörderischen 
Kornzoilprivilegien des Grundbesitzes verlangen muss. 
Im weiteren Verlauf des Werks behandelt Ricardo nun 
ainzelne Fragen, wie den internationalen Handel, das Steuer- 
und Bankwesen etc. und treibt verschiedene Polemik mit 
A. Smith und Malthus. Dabei kehren die Principien der 
ersten Capitel, insbesondere die Missgunst gegen den Grund- 
herrn immer wieder. Interessant ist aber nicht nur, was 
Ricardo sagt, sondern auch, was er nicht sagt. Er spricht 
niemals von andern Interessen als wirthschaftlichen der Indi- 
viduen, niemals von der Nothwendigkeit, dem Staate und 
höheren Ideen etwas zu opfern. 
Nur ganz ausnahmsweise wird eine andere Rücksicht er- 
wähnt, so bei der Ausführung, dass internationaler Handel 
auf der Differenz der relativen, nicht der absoluten Productions.
	        
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