D. Ricardo.
191
sein. Dagegen in einem kleinen; aber fruchtbaren Lande,
besonders wenn freie Korneinfuhr gestattet ist, mag
man grosse Capitalmassen ansammeln, ohne starkes Sinken
des Procentsatzes der Profite oder starkes Steigen der Grund-
rente,“
Oder: „die natürliche Tendenz des Profits ist zu fallen;
denn bei Fortschritt der Gesellschaft und des Reichthums
wird die zunehmende Menge von nothwendigen Nahrungs-
mitteln durch Aufwendung von mehr und mehr Arbeit er-
langt.“ Darauf folgt der Beweis, dass von einem gewissen
Puncte der Capitalvermehrung ab nicht nur der Profit im
Verhältniss zum Capital, sondern in absoluter Summe ab-
nehme.
Difficile est satiram non seribere. Der Capitalist müht
sich ab und vermehrt das Capital; dadurch wird es möglich,
dass immer mehr Arbeiter ihren Lebensbedarf erhalten, der
Capitalist wird aber bei dem allgemeinen Fortschritt immer
ärmer, der unthätige Grundherr steckt allen Gewinn ein, und
der Arbeiter leidet mit dem Capitalisten unter dem aussaugen-
den Grundherrn! Das etwa ist Ricardo’s Vorstellung über die
Vertheilung des Nationaleinkommens in einer fortschreitenden
Gesellschaft, in welcher das Capital allein gerechten Grund
zur Klage hat, und vor Allem Abschaffung der mörderischen
Kornzoilprivilegien des Grundbesitzes verlangen muss.
Im weiteren Verlauf des Werks behandelt Ricardo nun
ainzelne Fragen, wie den internationalen Handel, das Steuer-
und Bankwesen etc. und treibt verschiedene Polemik mit
A. Smith und Malthus. Dabei kehren die Principien der
ersten Capitel, insbesondere die Missgunst gegen den Grund-
herrn immer wieder. Interessant ist aber nicht nur, was
Ricardo sagt, sondern auch, was er nicht sagt. Er spricht
niemals von andern Interessen als wirthschaftlichen der Indi-
viduen, niemals von der Nothwendigkeit, dem Staate und
höheren Ideen etwas zu opfern.
Nur ganz ausnahmsweise wird eine andere Rücksicht er-
wähnt, so bei der Ausführung, dass internationaler Handel
auf der Differenz der relativen, nicht der absoluten Productions.