R. Malthus.
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Zügen wird wahrscheinlich immer unverändert bleiben. Wir
haben allen Grund, anzunehmen, dass sie stets aus einer Classe
von Besitzern und Arbeitern bestehen wird. Aber die Lage
beider und ihr Verhältniss zu einander können sich so ver-
ändern, dass die Harmonie und Schönheit des Ganzen be-
deutend zunehmen.
„Das theilweise Gute, welches erreichbar erscheint, ist
all unserer Anstrengung werth — und wenn wir auch nicht
hoffen können, dass Tugend und Glück der Menschen mit
dem glänzenden Fortschritt der Entdeckungen in der Natur
Schritt halten werden, — so dürfen wir doch, wenn wir es
an uns nicht fehlen lassen, zuversichtlich annehmen, dass die
ersteren in nicht unbeträchtlicher Ausdehnung durch den Fort-
schritt der letzteren beeinflusst und an ihrem Erfolg theil-
nehmen werden,“
Man sieht, Malthus kennt die Naturwissenschaften , ohne
aus ihnen sanguinische und unhaltbare Analogien zu entnehmen;
er hält gleich den andern classischen Nationalökonomen an
den Prineipien des Sondereigenthums und des Egoismus fest;
aber aus bestimmten Gründen, und weder um zu einem heuch-
lerischen Optimismus, noch zu einem Hohn auf alle Versuche
zur Verbesserung des Loosses der Arbeiter zu gelangen, SON-
dern aus Gegensatz zu revolutionären UVebertreibungen, und
am seinen Glauben an die Nothwendigkeit allmäliger Aus-
bildung und Vervollkommnung des historisch Gewordenen zu
begründen. — Kurz, in Malthus tritt uns freilich kein schär-
ferer, aber ein minder einseitiger Philosoph entgegen, ats in
Bentham (vergl. unten); ein Mann mit umfassender politisch-
zocialer und naturwissenschaftlicher Bildung, welche die Bil-
dung Ricardo’s unendlich überragt. Die scharfe Vertheidigung
des Sondereigenthums und der Selbstliebe stimmt im Erfolg
mit dem Manchesterthum überein und verräth gelegentlich,
dass Malthus von den Ideen der Zeitgenossen angesteckt war
—. aber die Motive sind andere wie bei den Manchestermän-
nern, wie schon der Umstand beweist, dass Ehe und Kigen-
‘“hum vewöhnlich in Verbindung miteinander hesprochen wer-