R. Malthus.
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indem seine Vertheidigung der Kornzölle ihm gerade die
Hauptgelegenheit zur Entwicklung staatsmännischer im Gegen-
satz zu rein manchesterlichen Anschauungen giebt, und indem
sein Kampf gegen die Armengesetze mit dem ernstesten Willen
die Lebenshaltung der Arbeiter zu heben Hand ’in Hand geht.
Sehon in den Untersuchungen über Armengesetze Buch IHM,
Cap. 7 kann man direct herauslesen, dass Kornverbilligung
durch freien Import den Armen nichts nützen könne, weil
sie nicht mit gesteigerter Arbeitsnachfrage zusammenfalle.
Es folgen nun Cap. 8—12 Untersuchungen über die Lage
von Ackerbau- und Handelsstaaten und über Kornzölle; hier-
bei wird der Segen und die Wichtigkeit des Ackerbau’s etwas
überschätzt, wenn auch keinenfalls in dem Maasse, wie die
späteren Freihändler Handel und Industrie für die einzige
Quelle alles Heils erklärten. Cap. 8: „Handel und Industrie
sind dem Ackerbau nöthig, der Ackerbau ersteren aber noch
aothwendiger. Es bleibt immer wahr, dass der Ueberschuss
des Products der Ackerbauer dem Wachsthum des nicht mit
Bodenecultur beschäftigten Theils der Bevölkerung Maass und
Grenze setzt.“ Die Untersuchung der Lage von Ackerbau-
und Handelsstaaten endigt mit dem Resultat (Cap. 10), dass
die Verbindung des Ackerbau- und Handelssystems dem Ge-
meinwohl am förderlichsten sei und zwar sollen sich beide die
Waage halten. Handel und Industrie können nur da auf-
blühen, wo Feudalismus und Sclaverei überwunden sind, und
Sicherheit des Kigenthums herrscht; durch ihre Blüthe wird
vorzeitige Stagnation der Arbeitsnachfrage verhütet, beständi-
ger Absatz der Bodenproducte gesichert. Ein Uebergewicht
der Industrie dagegen macht das Land vom Ausland abhängig,
and es muss ein Rückschritt in der Entwicklung des National-
wohlstandes eintreten, sobald andere Länder ebenfalls ihre
eigene Industrie entwickelt haben werden. —
Also vornehmlich um die Selbständigkeit des Landes
und einen gleichmässigen Fortschritt des Nationalwohlstandes
zu sichern, werden Kornexportprämien entschuldigt, Kornein-
fuhrzölle gerechtfertigt — wenigstens für Länder mit vielem
fruchtharem Boden und wenig schwankendem Eınteertrag.