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Erstes Buch, Cap. 2.
hervorgehoben werden, nicht weil es für Chalmers geistige
Grösse und kritische Schärfe zeugt, wohl aber weil es die
Ehrlichkeit seiner Ueberzeugungen und eine gewisse Unab-
hängigkeit seings Charakters erkennen lässt,
Im 5. Capitel beweist Chalmers nicht ungeschickt die
Möglichkeit allgemeiner Ueberproduetion und geht dann im
6. Capitel zur Betrachtung des auswärtigen Handels über.
Dieses Capitel ist verunglückt, insofern bei Entwicklung der
allgemeinen Theorie der Fall des Kornimports einfach als nicht
vorkommend behandelt wird. Demnach erscheint es Chalmers
als ganz gleichgültig für die Nation im Ganzen, welche und
wieviel Zweige des internationalen Handels existiren und
blühen. -
Nachträglich wird dann der Fall, dass Manufaete gegen
Korn ausgeführt werden, betrachtet, dabei aber behauptet,
es könne in England nie weiter kommen als dass die Be-
völkerung einen Zuwachs von einem Zehntel erfahre, das
dann von auswärtigem Korn lebe. Chalmers meint, dieses
Zehntel habe eine unsichere Existenz, „diese überschüssige
Bevölkerung sei unerheblich in Bezug auf nationalen Vortheil,
bedenklich in Bezug auf nationale Sicherheit“ (1. c. S, 237) —
aber dennoch solle man keine Kornzölle einführen, da Eng-
land diesen Gefahren gewachsen sei, ebenso wie man wegen
der „Unwichtigkeit“ (insignificance) des auswärtigen Handels
keine anderen Schutzzölle einführen solle. Man solle Korn-
import und Manufactenexport nicht künstlich befördern; aber
auch nicht unterdrücken — also laissez faire weil das natür-
liche Uebergewicht des nationalen Ackerbaus und Grund-
besitzes doch die Dinge im wünschenswerthen Geleise erhalten
wird. Uebrigens wünschten die Grundbesitzer die Kornzölle
nur wegen der Steuern, d, h. der Staatsschuld — man solle
einen Vergleich zwischen Grundbesitzern und Staatsgläubigern
statt Kornzöllen anstreben, welch letztere einen dem Grund-
besitz schädlichen moralischen Effect hätten (1. c. S. 529).
Noch deutlicher tritt Chalmers’ Ehrlichkeit hervor, indem
er im Cap. 8 ganz in physiokratischer Weise — trotz alles