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Erstes Buch, Cap. 2.
Er berührt sich mit Chalmers durch das Ausgehen vom
Christenthum; in seinem Kampf gegen die classische National-
ökonomie geht er viel weiter als Chalmers und berührt sich
dadurch zugleich mit den Radicalen. Er tritt in positiven
Gegensatz zu Chalmers, indem er dem Freihandel nicht günstig
gesinnt ist und die Kornzölle erhalten will, aber nicht im
Interesse des Grossgrundbesitzes, sondern im Interesse der
ländlichen Arbeiter und der kleinen grundbesitzenden Bauern,
die nur bei geschütztem Getreidebau bestehen und prosperiren
können. Dem entspricht ‚es, dass er die ländlichen Armen
durch Ueberlassung von „cottages‘“ und Gartenland heben wollte.
Verallgemeinerung des Besitzes und vor Allem der Hoff-
nung auf Besitz, Beschränkung des ungeordneten Geistes der
freien Concurrenz, namentlich in seinen schlimmen Wirkungen
auf Frauen und Kinder, Kampf gegen die Selbstsucht der
Reichen und geregelte Unterstützung der Armen in altem
christlichen Geiste — das waren die Folgerungen, die Sadler
aus seinem starken christlichen Gefühl ableitete. Weit be-
deutendere Folgerungen, als Chalmers sie zog und Folge-
rungen, zu deren praktischer Verwirklichung er erfolgreich
das Seinige that — aber allerdings Folgerungen, die mehr
mit richtigem Gefühl gezogen als durch eine klare Theorie
motivirt wurden.
Sein theoretisches Hauptziel nämlich war die Widerlegung
der Malthus’schen Bevölkerungslehre, welche der kirchliche
Chalmers so warm vertheidigte. Nun kleben ja der Malthus’-
schen Lehre, wie oben ausgeführt, gewisse gefährliche Ein-
seitigkeiten an. Sadler aber verwirft auch den wahren Kern
der Lehre, er giesst das Kind mit dem Bade aus und leugnet
ähnlich wie Godwin den Conflict zwischen der physiologischen
Neigung der Menschen sich zu vermehren und der Möglichkeit
beliebige Menschenmengen zu ernähren gänzlich.
Den Gegenbeweis gegen Malthus !) führt Sadler zunächst
durch Berufung auf .„.das Gesetz der Natur oder um deutlicher
1) 8. namentlich das Werk: M Th. Sadler, Law of Population:
London 1830.