Full text: Zwei Bücher zur socialen Geschichte Englands

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Erstes Buch, Cap. 2. 
und deshalb sieht sein Verstand die daraus hervorgehenden 
Wirkungen nicht. Hätte er sich begnügt, die Uebertrei- 
bungen von Malthus und dessen einseitige Ansichten über 
Armenpflege zurückzuweisen, so hätte er etwas Werthvolles 
geleistet. Die Theorie, die er wirklich entwickelt, ist leiden- 
schaftlich, blind und total unhaltbar. Sie ist eine Mischung 
von Gefühlen eines menschenfreundlichen strengen Christen 
und von volksbeglückungslustigem Demagogenthum, ein 
Stimmungsausdruck des radicalen Torythums, weiter Nichts, 
So schwach der Nationalökonom Sadler bleibt, er hat 
dennoch christlich- humane Ideen mit grösserem Verständniss 
socialer Fragen und Bedürfnisse angewendet als Chalmers, 
Allein diesem nicht zu leugnenden grösserem Verdienst gegen- 
über steht ausser der nationalökonomischen Schwäche noch 
eine allgemeine philosophische Unklarheit. 
Chalmers vertritt den Einfluss der Kirche, weil diese 
nützlich gegen Volksvermehrung wirkt. Sadler geht viel 
weiter, indem er ganz offen und ausgesprochen die Bentha- 
mitische Nützlichkeitslehre mit seinem warmen Christenglauben 
verbindet. Schon 1826 (s. Memoirs S. 91) sagte er in einer 
Tischrede: „Die Erleichterung, die Interessen und das Glück 
der arbeitenden Armen, sei es in England oder Irland, ist 
das, was ich während dieser ganzen Discussion im Auge ge- 
habt habe.“ Die Aufgabe der „wahren politischen Philo- 
sophie“ ist (Law of Pop. 8. 9) „den Werth unserer Mitbürger 
zu erhöhen und ihre Zahl zu vermehren; das allerhöchste 
irgend mögliche Maass von Glück unter der grösst- 
möglichen Zahl zu verbreiten.“ Am Schluss des IV. Buchs 
betrachtet es Sadler sogar geradezu als einen Beweis für die 
Richtigkeit seiner Bevölkerungslehre, dass sie mit Bentham’s 
Formel übereinstimmt : 
„Meine Lehre von der Bevölkerung ist in Uebereinstim- 
mung mit der Erfahrung der Menschheit und aus ihr folgt 
ein System politischer Philosophie, deren einleuchtende Ten- 
denz es ist, das grösstmögliche Maass in dividuellen.Glücks 
der orösstmöglichen Zahl menschlicher Wesen zu verschaffen.“
	        
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