255
entwickelt, nicht bewiesen; es erscheint in der Natur des
Menschen begründet, Das Nützliche „soll sein“ und ist
„recht“. Das Interesse der Gesammtheit ist die Summe des
Interesses der einzelnen Mitglieder, aus denen die (esammt-
heit. zusammengesetzt ist,
Bentham versucht nachträglich eine Art negativen Be-
weises für sein Princip, indem er andere Principien zu wider-
legen trachtet, nämlich den Ascetismus, mit welchem Wort
auch alle Anschauungen, die das honestum statt des Nütz-
lichen zum Princip erheben, bezeichnet werden; das Princip
von Sympathie und Antipathie, unter welchem Ausdruck
Bentham auch die Zurückführung der Entscheidung über
Recht und Unrecht auf das Gewissen begreift; endlich theo-
logische Weltanschauungen, Letztere weist Bentham mit den
Worten zurück, was Recht ist, sei sicher Gottes Wille, aber
wir müssten eben zuerst wissen, was Recht ist, da wir Gottes
Willen nicht direct kennen. So wird die geoffenbarte Religion
zur Seite geschoben, — Dumont schiebt die Consequenz ein,
Tugend sei Aufopferung eines kleineren für ein grösseres
Interesse,
Die Begriffe von Lust und Leid werden nicht definirt;
dafür entschädigt uns nur eine höchst ermüdende und doctri-
näre Aufzählung aller Arten von Leid und Lust. Es giebt
14 einfache Arten von Lust, 12 einfache Arten von Leid, die
hinwieder in Unterarten zerfallen. Leid- und Lustempfin-
Jungen erscheinen mit Ausnahme der wenigen, die auf Wohl-
wollen oder Bosheit beruhen, als „selfregarding‘“, d. h. aus"dem
Egoismus entspringend; und von den vier Quellen von Leid
ünd Lust, der physischen, politischen, moralischen und
'eligiösen ist die physische die grundlegende, Die Gründe,
die den Werth einer Art von Lust und Leid für den einzelnen
Menschen bestimmen, werden auch aufgezählt und es werden
32 Umstände nebst Unterarten und secundären Umständen
aufgeführt, die bewirken, dass dieselben Ursachen bei ver-
Schiedenen Menschen ein verschiedenes Maass von Lust und
Leid hervorrufen.
All dies sind Irrgänge eines Geistes, der abstracte Schemati-
J. Bentham.