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Erstes Buch, Cap. 8.
und Leidenschaften der Menschen; er leugnete, dass die
Menschen sich über ihren Vortheil irren und darüber mit
einander in Streit gerathen können. Er dachte nie daran,
dass der Mensch nur als Glied eines grösseren Organismus
verstanden werden kann, dass sein wahres Glück gar nicht
im Erreichen des Gewünschten, sondern nur im Streben nach
Vervollkommnung, in der Unterordnung unter ein Ideal liegt.
Er ignorirte Alles, was über dem Menschen steht, alle
Mächte, die der Mensch ahnt und deren Wirken er fühlt,
ohne dass er sie klar erkennt. Er fragte nicht nach dem
Grund der menschlichen Existenz, nicht nach dem Zweck
der Menschheit: für ihn existirten nur die einfachsten Ziele
und Zwecke des einzelnen Menschen, nach deren Erreichung
Jeder mit einfacher Berechnung streben kann. Seine grosse
Entdeckung war eine fast abschreckende Beschränkung des
Gesichtskreises. Aber er besass den Muth alle Consequenzen
dieses beschyänkten Ausgangspunctes furchtlos zu ziehen; er
beschönigte, er verhüllte nichts. Er konnte Abschreckendes,
Falsches, Einseitiges sagen — aber nichts Abgeschmacktes.
So wenig wir mit ihm übereinstimmen können, dem Manne,
der nur sich selbst genügen wollte, vermögen wir die Aner-
kennung einer gewissen Grösse des Geistes und Charakters
nicht zu versagen, während uns schwächliche Nachfolger, die
mit seinen Waffen klirren und populären Erfolg suchen, ohne
seine Kraft zu besitzen, nur anwidern. — Er kannte das
Schöne, das Sittliche nicht, nur das Nützliche; er besass
wenig Phantasie, nur kritische Logik — er war aber ehrlich
in dieser maasslosen Einseitigkeit, indem er auch seine
eigenen edlen Motive verkannte und immer nur als Kritiker
auftrat.
Es ist unnöthig, die Einseitigkeit und Unbrauchbarkeit
des Nützlichkeitsprineips noch weiter nachzuweisen. Als
Philosoph ist Bentham allgemein als unbedeutend anerkannt
(vergl. Guyau). Ebenso ist es uns unmöglich, hier Bentham’s
sämmtliche publieirte Schriften eingehend zu besprechen;
nur in Kürze sei erwähnt, dass ein grosser Theil derselben,
und verade der besten und werthvollsten, sich auf Justizreform.