J. Bentham.
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wenn Bentham sagt: „Aller Handel ist seinem Wesen nach
vortheilhaft, auch für die Partei, für die er es am wenigsten
ist. Aller Krieg ist seinem Wesen nach zerstörend; und doch
ist es das grosse Geschäft der Regierungen, Gelegenheiten
zum Krieg aufzuspüren.“
All dies ist vollendetes Manchesterthum: Ein freies
Wohlhabendes Volk; unbeschränktes Wachsen des Capitals,
— eine schwache, billige Regierung; Unterordnung des
Staats unter die wirthschaftlichen Interessen der Unterthanen.
Der Staat ist nicht Repräsentant von Culturideen, die Ein-
zelnen nicht verpflichtet, diesen zu dienen; der Staat ist eine
Vorrichtung, den wirthschaftlichen Gewinn zu fördern,
jedenfalls nicht zu stören. —
Dennoch war Bentham den späteren Manchestermännern
ünd den gleichzeitigen classischen Nationalökonomen oft überr
legen, einmal weil er überhaupt zugleich an politische Pro-
bleme dachte, und dann, weil er es mit dem Glück der
3rössten Zahl Ernst nahm, ohne dem Schwindel der unbe-
dingten Harmonie der Interessen zu huldigen.
Treu seinem Nützlichkeitsprincip macht er sich kein
Gewissen daraus, das FEigenthum wenigsten in Bezug auf
Vererbung zu beschränken (Supply without Burden) und
will dem Staat alle Güter Verstorbner überweisen, welche
Aur Verwandte von einem Verwandschaftsgrad hinterlassen,
bei dem Heirath gestattet ist. Auch andre Verwandte, wenn
kinderlos, sollen nur Niessbrauch bekommen; von Erb-
Schaften, die nicht Eltern, Kindern oder . Geschwistern
Zufallen, soll der Staat einen Theil erhalten; das Recht des
Testirens soll. auf die Hälfte des Vermögens beschränkt
“erden, für das es jetzt gilt. Dies sind Anklänge an den
;Päteren St. Simonismus,
Die Leidenschaft der Arbeiter gegen neue Maschinen
wird entschuldigt; vom Laissez-faire-Princip werden Aus-
nahmen zu Gunsten allgemeiner Verbreitung von nützlichen
Kenntnissen, zu Gunsten öffentlicher Wege und bei Erfin-
Alungspatenten anerkannt, Statistik wird nicht benutzt, jedoch
Warm empfohlen. Eifrie beschäftigt sich Bentham mit der