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Erstes Buch, Cap. 3.
Staatsschuld, die er freilich nicht mit der gemeinen Gehässig-
keit Cobbett’s angreift, die aber doch auch ihm ein Dorn im
Auge ist. Er entwirft ein ganz unpraktisches Project, die
Staatsschuld in Zzinstragende Inhaberpapiere von möglichst
kleinem Betrag zu verwandeln, indem solche Papiere gegen
Sparsummen verkauft und mit dem Erlös Staatsschüld zurück-
gekauft werden soll. Wenn dabei die Rücksicht auf die
Arbeiter, denen Gelegenheit zur Anlage kleiner Ersparnisse
gegeben werden soll, ausdrücklich betont, wenn dabei gesagt
wird, diese Noten sollten durch die Postbüreaus vertrieben
werden — wer erkennt darin nicht eine Prophezeiung der
späteren Postsparkassen, die das Princip des laissez faire
lurchbrochen haben? — -
Merkwürdig ist die Verquickung von Manchesterthum
und Wohlwollen gegen die Massen in Bentham’s Ansichten über
die Armenfrage. Er ist nicht Malthusianer, ob er gleich erkennt,
dass die Bevölkerung im Verhältniss zu dem Unterhaltsmitteln
und Bedürfnissen steht (Manual.) In seinen praktischen
Vorschlägen ist der Geist des späteren Armengesetzes mit
sanguinischer Weltbeglückungslust verbunden, Kine Actien-
gesellschaft, die „National Charity Company“ — nicht der
Staat selbst — soll, mit weitgehenden Zwangsrechten auS-
gerüstet, alle die sich nicht über Nahrungsstand ausweisen
können und die Kinder ohne Aussicht auf gute Erziehung, in
grosse Industriehäuser für je etwa 2000 Personen schaffen,
wo sie arbeiten müssen, bis sie den für sie gemachten Auf-
wand abverdient haben. Nüchternheit und Mässigkeit sollen
darin gepflegt, die Kinder sollen gut unterrichtet und erzogen,
die Familien nicht getrennt werden. Die Gesellschaft soll
strenge überwacht, die Aufseher sollen für jeden Todesfall
bestraft werden etc. etc, .
Eine völlig centralisirte, die alte Selbstverwaltung durch-
brechende, in soeialistische Phalansterien ausartende Armen-
pflege, unter Ausschluss sonstiger Unterstützung , soll die
Steuerzahler erleichtern, zugleich das ganze Volk heben. Die
Industriehäuser sollen die Gefängnisse entbehrlich machen; an
sie soll sich eine Regulirung der Arbeitsnachfrage im ganzen