Handelspolitik.
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noch vergass auch sie nicht, gelegentlich ihre Herrschaft im
Staate im einseitigen ökonomischen Standesinteresse auszu-
beuten. So sehen wir, dass sie das Aussterben eines bäuer-
lichen Grundeigenthümerstandes, dessen Existenz für den
Staat von der höchsten Wichtigkeit ist, nicht hinderte, sondern
in ihrem Interesse förderte. Sie that noch mehr: Sie ver-
schaffte und erhielt sich Kornzölle. Der Adel begnügte sich
doch nicht allein mit der Ehre im Staate zu herrschen und
den Erwerb der Kaufleute und Industriellen durch Schutzzölle
und Schifffahrtsgesetze zu fördern — er suchte gleichzeitig
auch die Pachtrente der eigenen Güter künstlich zu steigern.
Das freiheitliebende und freiheitgewohnte englische Volk.
begehrte nach keiner Colbert’schen Gewerbepolitik im In-
nern des Landes; aber gegenüber dem Auslande und den
eigenen Colonien entwickelte es die Grundsätze der merkan-
tilistisehen Politik bis zum vollendetsten Maasse, so dass nicht
mit Unrecht die heutigen Schutzzöllner in anderen Ländern
auf die grosse Jugend des englischen Freihandelssystems hin-
weisen.
Diese merkantilistische Schifffahrts-, Zoll- und Colonial-
politik war aber durch die Kornzölle zu einem höchst künst-
lichen Bau gegenseitiger Benachtheiligungen und Begünsti-
gungen umgestaltet, für den schliesslich die Frage dringend
werden musste, ob die Gesammtvortheile oder die Gesammt-
nachtheile überwogen. Diese Frage hat eine spätere Zeit
(1846) beantwortet resp. gelöst. Hier interessirt uns nur, in
Kürze zu sehen, dass und wie die regierende Gentry nicht nur
politischen Ehrgeiz, sondern auch Erwerbssinn besass.
Die merkantilistische Politik Englands setzte sich zu-
sammen aus den Navigations-, den Zollgesetzen, der Colonial-
politik und den damit zusammenhängenden Rechten der privi-
legirten Compagnien.
Seit 1381 hatte man begonnen, den Handel nach England
und aus England auf englische Schiffe zu beschränken; unter
Elisabeth wurde das Verbot der Einfuhr auf fremden Schiffen
in einen Zoll verwandelt. Es folgte die berühmte Navigations-