Cobbett.
205
einer solchen nahm sich Cobbett — mit den üblichen einsei-
tigen Uebertreibungen — immer an.
Ferner gab es damals in England eine wachsende Zahl
irischer Arbeiter, die man gewinnen musste. Besonders aber
stimmte es mit Cobbett’s gesammten Tendenzen, das Vermögen
der Staatskirche als geraubt hinzustellen, es dadürch gehässig
zu machen, und die alte Armenpflege der katholischen Klöster
der modernen . englischen Armenpflege zur Aufregung der
Armen gegenüber zu stellen.
Dazu kam, dass die „guten alten Zeiten“, in denen die
geistige Suprematie des Papstes ein Gegengewicht gegen die
Macht‘ des Königs bildete, sich zu Gunsten jeder Agitation
gegen die Regierung ausbeuten liessen.
Auch hier verfolgt Cobbett zunächst politische Ziele, ist
aber geleitet von socialen Motiven. Der Protestantismus
Schafft wirthschaftlich energischere Menschen als der Katho-
licismus, also kann die Armuth in ihrer Auflehnung gegen den
Reichthum mit dem Katholieismus gegen den Protestantismus
Sympathisiren,.
„Ich will“, sagt Cobbett in der Geschichte der Refor-
Mmation, „die Reformation durch alle ihre Abstufungen ver-
folgen, bis ich euch ihre natürliche Wirkung in den Entwür-
fen des Pastors Malthus, in dem von Lord John Russel em-
Pfohlenen Plan, in dem dermaligen unbeschreiblichen Elend der
ackerbauenden Classe. in England und Irland und in dem ver-
hassten abscheulichen System zeige, welches Juden und Papier-
geldfabrikanten zu den wirklichen Eigenthümern eines grossen
Theiles der liegenden Gründe des Königreichs macht.“
Es ist nicht zu leugnen, dass Cobbett in der Geschichte
der Reformation die Gefühle eines warmen Protestanten
oft derb verletzt, aber die Religion überhaupt greift er doch
auch hier nicht an und im Grunde kämpft er auch hier
gegen einzelne gegenwärtige Institutionen: — immer, im
Gegensatz zu Paine, der praktische Engländer.
Die Objecte seiner Leidenschaft sind im Grunde immer
dieselben, doch kommt es dem für den Moment schreibenden
Journalisten natürlich nicht darauf an, gelegentlich eine In-
Held, Soc. Gesch. Engl. 20