Erstes Capitel.
Verfall der alten Handwerksordnung,
8 1. Die alten Ordnungen.
Langsam und nur durch mühevolle Kämpfe entwickeln
sich die herrschenden Ordnungen, unter denen die Menschen
leben und arbeiten. Nach langem Ringen, häufigen Rück-
schlägen, falschen Versuchen und übertriebenem Vorwärtsstreben
gelingt es schliesslich, eine Ordnung zu consolidiren, welche
nach den Erfahrungen der Vergangenheit den Bedürfnissen
der Gegenwart entspricht und unter deren Schutz die indi-
viduellen Kräfte sich in der bestmöglichen Weise zum Wohle
der Gesammtheit entwickeln können. Aber kaum ist man zu
solch befriedigendem Abschluss gelangt, so machen sich schon
neue Bedürfnisse geltend, die nicht vorgesehen waren. Es be-
ginnt ein Drang, die bestehende Ordnung zu modificiren und
allmälig umzugestalten. Und diesem Drang gegenüber ent-
wickelt sich anderseits ein einseitiges Streben, die alte Ord-
nung aufrecht zu erhalten. Was im allgemeinen Interesse "ein-
geführt war, daran klammern sich schliesslich individuelle,
egoistische Interessen eigensinnig fest. Schliesslich sind es
nur vermeintliche Interessen, welche die alte Form unver-
ändert erhalten wollen, ohne den Geist zu verstehen, in dem
sie einst eingeführt ward. Und zu. allerletzt bleibt oft nur
eine ganz leblose Form übrig, neben der sich ein neues
frisches Leben in ganz anderen Formen geltend macht, bis
eines Tags die alte Form auch in ihrer äusseren Erscheinung
völlig zusammenbricht.