Full text: Zwei Bücher zur socialen Geschichte Englands

Technische Vorschriften. i 465 
Casse empfingen und es bestanden feststehende Sätze, nach 
denen eine Arbeiterfamilie je nach ihrer Kopfzahl Unterstütz- 
ung empfing. Dieses Unwesen entsprang allerdings zumeist 
aus der Verwilderung des Armenwesens und dem Egoismus 
der Pächter, welche aus der Steigerung der Armenlast einen 
Grund zur Verminderung des Pachtzinses ableiten konnten. 
Es hätte aber nicht um sich greifen können, wäre die lohn- 
regulirende Thätigkeit der Friedensrichter nicht ebenso ver- 
kommen und vergessen gewesen wie der Pflichteifer der 
Armenbehörden verschwunden war. 
8 4. Technische Vorschriften, 
Die mittelalterliche Ordnung des Handwerks beschränkte 
Sich nicht auf Regulirung der Lehrlinge und der Löhne, sie 
Sab auch direct Vorschriften über die Art und Weise, wie 
gearbeitet werden musste und über die Qualitäten der Waaren, 
die zu Markte gebracht werden durften. Solche Bestimmun- 
Sen sollten die gewerbliche Kunstfertigkeit erhalten, die Kund- 
Schaft befestigen und das Publieum gegen Uebervortheilung 
Schützen. Das Geben und die Handhabung solcher Bestimm- 
Ungen war in England theilweise in der Hand von Zünften 
und localen Obrigkeiten, theilweise beruhten aber solche Be- 
Stimmungen auch auf Landesgesetz, Auf dem Continent unter- 
Scheiden sich die Productionsreglements, welche von der Regie- 
Yung für die neuen Manufacturen gegeben wurden, scharf von 
den alten zünftischen Ordnungen, In England sind alte «und 
Neue Produktionsreglements dagegen ununterscheidbar. 
_ Gewiss sind derartige Bestimmungen nützlich, insofern 
8e Veberschwemmung des Marktes mit Waaren verhüten, 
denen ‚das Prädicat „billig und schlecht“ gebührt. Aber noch 
Mehr als bei der Regulirung der Lehrlinge und Löhne zeigt 
Sich hier, dass die stramme Ordnung nur zu stätigen Ver- 
hältnissen passt, dass sie dagegen in Zeiten eines lebendigen 
Sewerblichen Fortschritts, in welchen der Einzelne strebt, Erfin- 
dungen und Verbesserungen einzuführen und neue Märkte zu 
Srobern, als eine äusserst lästige Fessel empfunden werden, 
Held, Soc, Gesch. Engl. 30
	        
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