Full text: Zwei Bücher zur socialen Geschichte Englands

Zämfte, 
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Zugleich kamen Gegenpetitionen von Leuten, die bisher das 
Gewerbe ausserhalb der Zunft betrieben hatten und nicht 
unter dieselbe gestellt werden wollten. Namentlich erklärten 
die Sheffielder, dass alle Beschränkungen schädlich seien und 
verlangten eine „liberale Gewerbepolitik“ 1. Die Mitglieder 
der Zunft selbst verlangten zwar Beschränkungen und Zunft- 
ordnung, aber doch Erleichterung derselben. Insbesondere 
handelte es sich dabei um die Beschränkungen der Lehrlinge 7). 
Nach den Zunftstatuten vou 21. Jacob.I. .c. 31 durfte kein 
Messer-, Scheeren- oder Sichelschmied Lehrlinge halten, der 
nicht selbst Eigenthümer eines Werks war (Meister); und ein 
Sölcher durfte, abgerechnet seine eigenen Söhne, zu gleicher 
Zeit nur einen Lehrling haben. Man bat darum, dass mehr 
Lehrlinge gestattet werden sollten, und zugleich um besseren 
Schutz gegen den Gebrauch falscher Marken. Die alten Be- 
Schränkungen der Lehrlinge seien bei der heutigen Ausdehnung 
des Gewerbes schädlich®. Es kam darauf das Gesetz 31. 
Georg III. c. 58 zu Stande, welches sich den Petitionen der 
Messersechmiede anschloss und durch 41. Georg IIL c. 97 
amendirt und verschärft wurde. — 
Ausser den im Vorstehenden erzählten Fällen konnte ich 
keine anderen entdecken, in denen im 18. Jahrhundert Zünfte 
die öffentliche Aufmerksamkeit auf sich lenkten. Sie existirten 
in wichtigen alten Industriezweigen, wie in der Tuchindustrie, 
Sowie in den ganz neuen wie der Baumwollindustrie überhaupt 
nicht. Sie waren niemals in England eine allgemeine Institu- 
tion, sondern entstanden immer nur für einzelne Gewerbe und 
Bezirke durch besondere Creirung seitens der Staatsgewalt. 
Wo sie in’s Leben gerufen wurden, waren sie sozusagen Spe- 
cielle Organe der allgemeinen Gewerbeordnung. Offenbar 
aber waren diese Organe im 18. Jahrhundert noch hinfälliger 
1) Journals Vol. 46. 22. März 1791. . 
% Journals Vol. 46. 1. Dzbr. 1790. 
_°) Brentano a. a, 0. 8: 114 meint, die Arbeiter hätten sich gegen 
die Aufhebung der Beschränkung der Lehrlinge gewehrt. Allein aus dem 
Obigen geht hervor, dass diese vielmehr selbst trachteten, Lehrlinge halten 
zu dürfen,
	        
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