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Zweites Buch, Cap. 2,
Trotz all dieser Mittel blieb die britische Leinenindustrie
aber verhältnissmässig schwach, namentlich gegenüber der
nicht geschützten Baumwollindustrie. Besonders stark war
der Schutz der inländischen Segeltuchfabrikation, doch auch
diese war, trotz aller Begünstigung, der russischen Concurrenz
nicht gewachsen.
Auch zeigte sich bei dieser Frage, dass der Schutz
einer inländischen Production nicht ohne Druck auf andere
Zweige des nationalen Erwerbslebens möglich war.
Die Segeltuchmacher verlangten nicht nur Schutz gegen
russische Concurrenz, sondern auch Exportprämien für sich,
zumal in Anbetracht der Importzölle von Flachs und Hanf.!)
1736 verlangten sie schon wieder stärkeren Schutz und ein
Parlamentscommittee schlug unter Protest von Schiffseigen-
thümern vor, diese einfach zum Gebrauch von britischem Segel-
tuch zu zwingen.?)
1746 wird wieder im Interesse des inländischen Segel-
tuchs petitionirt, weil fortwährend fremdes Segeltuch einge-
schmuggelt wurde, obwohl es gesetzlich feststand, dass alles
importirte Segeltuch gestempelt und verzollt werden und
jedes britische Schiff eine volle Garnitur inländischen Segel-
tuchs haben musste. Die Flachsbauer verbanden sich mit den
Segeltuchmachern, ?)
So sehen wir in der Leinenindustrie einen wirren Kampf
der Interessen von Irland und England, der Segeltuchmiacherei
und der Seeschifffahrt, der Spinner und der Weber, bei wel-
chen all diese Interessen Schutz verlangten und erreichten,
dadurch aber nur sich gegenseitig durchkreuzten und beschä-
digten. — In der Seidenindustrie wurde doch der eine Zweck,
diese nationale Production rücksichtslos durch Monopol zu
fördern, in der Tuchindustrie die Bevorzugung dieser Manufactur
vor anderen mit principieller Klarheit angestrebt. Bei den
Maassregeln zu Gunsten der Leinwandproduction bekämpfen
‘) Journals Vol. 20 8. 67; Vol. 21 S. 645 (1781).
”) Journals Vol. 22, S. 646, 682.
) Journals Vol. 24, S. 42. 66. 73. 99, 132.