Full text: Zwei Bücher zur socialen Geschichte Englands

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Zweites Buch, Cap. 3. 
pagnie gegründet, die zu Lande bis Indien vordrang; 1600 
wurde die grosse ostindische Compagnie concessionirt. Im An- 
fang des 18. Jahrhunderts folgte der Südseeschwindel. 
So erwuchs die Macht des grossen kaufmännischen Capitals 
mit den neuen Seewegen und dieser Umstand, dass das Capital 
zunächst im internationalen Handel emporblühte, erklärt die 
grosse Vorliebe des Mercantilsystems gerade für diesen Handel. 
Der Grund war der, dass auf der offenen See sich grosser 
Absatz gewinnen liess, ohne dass erst mühsame Strassen gebaut 
werden mussten, 
Diese erste Entwicklung des grossen Capitals konnte 
natürlich nur zu einer theilweisen Herrschaft desselben führen 
und liess einen grossen Theil der Industrie noch unberührt, 
wenn sie auch namentlich auf die Textilindustrie schon sehr 
stark einwirkte, Die Vollendung der Capitalherrschaft wurde 
dann durch Verwandlung des Inlands selbst in ein einheit- 
liches grosses Absatz- und Verkehrsgebiet bewirkt. Hierzu 
trug die Union zwischen England und Schottland bei; der 
wichtigste Factor zur Erreichung dieses Ziels aber war die 
Ausbildung inländischer Strassen und Communicationsmittel. 
Die Entwicklung der Landstrassen vollzog sich in Eng- 
land merkwürdig spät. Daran ist einerseits der Umstand 
schuld, dass der Staat diese Strassen nicht selbst baute, son- 
dern dass ihr Bau und ihre Unterhaltung nach altem Recht 
Kirchspielsache war; andererseits aber gewiss auch die günstige 
Lage Englands, das durch Küsten- und Flussschifffahrt allein 
schon einen nicht geringen Waarenverkehr entwickeln konnte. 
Noch Arthur Young in seinen verschiedenen Reisen durch 
England!) erzählt Erstaunliches über den schlechten Zustand 
der Landstrassen und 1754 waren, 200 Meilen von London 
entfernt, die Strassen im Winter meist unfahrbar ?). 
Waarenversendungen zu Lande erfolgten nicht auf Wagen, 
sondern durch Packpferde. 1720 gab es in Manchester erst 
1 Z. B. A six weeks tour trough the southern counties of England 
and Wales, 3. Auflage, London 1772, S. 145, 154. 
2) Tucket. History of the nast and nresent ete. S. 266.
	        
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