Die modernen Verkehrsverhältnisse. 571
zwei Wagen, 1750 erst einen Stand für öffentliches Fuhr-
werk !).
Ebenso wurden die Sheffielder Waaren bis zur Mitte des
vorigen Jahrhunderts auf Packpferden nach London gebracht
und erst dann kamen Wagen auf®).
Indessen war man doch schon auf die Wichtigkeit der
Landstrassen aufmerksam geworden und 2. u. 3. Philipp und
Maria c. 8 „for the repair of highways“ war das erste allge-
meine Gesetz in Bezug auf Landstrassen, dem bald viele
andere bis zu den Schlagbaumstrassen von Karl II. folgten.
Da man nämlich mit den Kirchspielstrassen unmöglich
auskommen konnte, so wurden schon seit der Mitte des 17.
Jahrhunderts einzelne grössere Gesellschaften concessionirt
und mit den Rechten der Erhebung von Wegegeldern durch
Schlagbäume ausgerüstet, welche durchgehende Strassen bauten.
Jede solche Gesellschaft wurde durch besondere Parlaments-
acte constituirt und gegen Ende unserer Periode gab es circa
3800 solcher Acts®). Diese stammen aber ihrer grossen
Majorität nach erst aus der zweiten Hälfte des vorigen Jahr-
hunderts, nachdem die Rebellion und der Bürgerkrieg von
1745 auf den grossen Mangel guter Wege aufmerksam ge-
macht hatten.
Zunächst gab es aber gar keine entwickelte Wegebau-
kunst, die erst 1765 durch den blinden Autodidacten J. Metcalf
begann %).
So spät dieser allgemeine Aufschwung des Landstrassen-
wesens eintrat, so ist doch immer zu bemerken, dass er vor
Begründung des eigentlichen Fabriksystems begann. In der-
selben Zeit aber begannen auch die für die wirthschaftlichen
Verhältnisse noch wichtigeren künstlichen Wasserstrassen —
denen es zumeist zuzuschreiben ist, dass England schon vor
len Eisenbahnen ein Land mit herrschender Grossindustrie
werden konnte.
') Aikin a. a. O. S. 181 ff
2%) Aikin a. a O. S. 547 ff.
%) S. Second Report on Turnpike Road-trusts 1833.
4) S. Smiles, Life of Telford, London 1867.