614
Zweites Buch, Cap. 5.
Behandlung der unteren Classen vorgekommen sind, dass solche
Uebel aber in unseren modernen Verhältnissen, namentlich
wegen des Gegensatzes zur Lage der herrschenden Classe
stärker empfunden werden. Wir müssen hier constatiren,
dass eine Art von Unterdrückung und Elend der unteren
Classen als ein durchaus eigenthümliches Product der modernen
Grossindustrie bezeichnet werden muss — nämlich die Aus-
beutung der Kinder unter Auflösung der Familienbande und
gänzlichem Mangel an Rücksicht auf die Heranziehung einer
gesunden kräftigen Generation. —
England hat den traurigen Ruhm, nicht nur die Gross-
industrie geschaffen, sondern auch dieses Uebel gewisser-
maassen zur Vollkommenheit ausgebildet zu haben. Die an-
deren Nationen haben es auch nicht vermieden, doch dienten
ihnen — abgesehen von Belgien — die englischen Vorgänge
zum abschreckenden Exempel. England hat sich neben diesem
traurigen Ruhm jedoch auch das grosse Verdienst erworben,
lass es mit der Fabrikgesetzgebung anfıng und den Weg
zeigte, auf dem man unbeirrt durch Freiheitsprineipien ete.
des Uebels Herr werden könne und müsse. —
Schon die Manufacturen vor Arkwright wendeten Kinder
als ständige Arbeitskräfte an und nur ihre schwache Entwick-
lung, ihre minder guten Werkzeuge und minder entwickelte
Arbeitstheilung verhinderten, dass schon sie die Kinderarbeit
zu einem Nationalübel ausbildeten. Sie griffen nach den
Kindern in demselben naiven Geiste, in dem sich, wie er-
wähnt, die Hausindustrie berühmte, dass sie Kindern und
Greisen Beschäftigung gab. So erging 1764!) eine Petition
aus Winchelsea um Beförderung der Fabrikation von Cambricks
und Lawns (Batist), worin fremde Arbeiter und Kinderlehr-
linge beschäftigt wurden. Man bat um Concessionirung einer
Actiengesellschaft und ein Zeuge sagte aus, „die Gesellschaft
werde durch die Zahl der Kinder, welche sie beabsichtige,
als Lehrlinge aus Findelhäusern, Arbeitshäusern und sonstigen
Orten. wo man sie hekommen könne, zu entnehmen. im Stande
Journals Vol. 29 8. 752. 785.