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Zweites Buch, Cap. 5.
Verbreitung der Kunst des Lesens, Schreibens und Rechnens
keineswegs eine Verminderung der Delicte gegen das KEigen-
thum erzeugen und dass die moralischsten Bezirke solche mit
geringer Bildung und patriarchalischen Verhältnissen seien,
Auch hier ist es wieder absolut unmöglich, einen strieten
statistischen Beweis zu liefern.!) Man kann die Criminalität
einzelner Bezirke mit der Zahl der Analphabeten in denselben
vergleichen, auch mehr agricole und mehr industrielle Bezirke
noch speciell unterscheiden — niemals wird man zwingend
beweisen können, dass ein grösseres oder geringeres Maass
von Delicten gegen Person oder Kigenthum gerade von dem
Stande der Bildung und nicht von anderen Ursachen her-
rühren, Auch ist immer zu beachten, dass die in einem Be-
zirk angeklagten und bestraften Delinguenten zum grossen
Theil aus andern Bezirken stammen.
Ich gestehe unbedingt zu, dass in einfachen Verhältnissen
bei vorwiegender Landwirthschaft in Verhältnissen, denenzu-
folge wenig Wanderung vorkommt und die Begehrlichkeit der
in gewohntem Geleise fortlebenden Bewohner gering ist, in
denen bei sehr geringer Bildung die Ehrfurcht vor jeder an-
gestammten Autorität und das religiöse Gefühl stark geblie-
ben sind — dass in solchen Verhältnissen die wenigsten De-
liete vorkommen. Indessen ist auch dann Verbesserung der
Schulen und Erhöhung der Bildung anzustreben, weil das an
sich ein Gut und ein Hebel des menschlichen Fortschritts ist.
In grossen Städten und Fabrikstädten insbesondere wird
solchen Verhältnissen gegenüber stets die Criminalität steigen,
wenn auch nicht gegenüber Gegenden mit einer verkommenen
nomadisirenden Bevölkerung landwirthschaftlicher Taglöhner.
In solchen Städten werden sich Verbrecher aus aller Herrn
Ländern zusammenfinden und die grössere Gelegenheit wird
mehr Diebe machen. Was aber die in solchen Städten lebende
resp. aufwachsende Arbeiterbevölkerung betrifft, so wird un-
rettbar der Neid auf den stets vor Augen stehenden grösse-
ven Reichthum, die Unsicherheit des Erwerbs und die Mög-
‘) 8. Faucher a. a. O0. S. 954.