Full text: Zwei Bücher zur socialen Geschichte Englands

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Zweites Buch, Cap. 5. 
dass für diesen Stand die Schule das einzige und unersetzliche 
Mittel moralischer Erziehung ist. 
Die Schule muss natürlich auch nicht rein sich darauf 
beschränken, Kenntnisse und Fertigkeiten zu verbreiten, son- 
dern sie muss religiöse Erziehung einschliessen und die Per- 
son des Lehrers muss in jeder Weise direct und indirect auf 
Ausbildung moralischer Grundsätze bedacht sein. Doch ist 
auch die rein intellectuelle Bildung nicht gleichgültig. Sie er- 
zeugt grössere Selbstachtung, giebt dem künftigen Arbeiter 
eine vielseitigere Verwendbarkeit, die Fähigkeit, sich selbst 
Erwerbsgelegenheiten zu suchen und sich an der Verwaltung 
von Vereinen, Hülfscassen etc. zu betheiligen. Sie schützt 
gegen gewisse Gefahren des ökonomischen und damit auch 
des moralischen Verkommens. Der erwachsene Arbeiter, der 
eine gewisse Schulbildung genossen hat, ist auch fähiger und 
geneigter, bessere Genüsse als den Trunk sich zu verschaffen. 
Ich behaupte keineswegs, dass die Kunst des Lesens insofern 
eine conservative Wirkung hat, als der Arbeiter, der lesen 
kann, die ewigen Wahrheiten der Nationalökonomie aus 
Büchern sich aneignen könne — er kann dann ebensogut social- 
demokratische Zeitungen lesen. Kine geringe Bildung schützt 
in der That keineswegs gegen radicale Ansichten, aber 
jede Bildung vermindert einen rohen gewaltthätigen Willen. 
Aus. diesem innern Grunde ist eine richtige genügende 
Bildung ganz insbesondere als dringendes Bedürfniss für ge- 
werbliche Arbeiter zu betrachten und unleugbar ist der höchst 
trostlose Zustand der englischen Schuten im Anfang des Jahr- 
hunderts als einer der Gründe zu bezeichnen, welche die trau- 
rigen Arbeiterzustände verschuldeten. Schulen allein konn- 
ten und können die Arbeiterbevölkerung nicht glücklich, wohl- 
habend und sittlich machen. Sie können aber einen Theil der 
schädlichsten Einwirkungen auf die Arbeiter der Grossindustrie 
neutralisiren, wie es der Bericht von 1843 anerkennt und 
durch zahlreiche Beispiele, in denen intellecetuelle und mora- 
lische Verwahrlosung Hand in Hand ging, bewiesem hat. 
Nur langsam hat das herrschende Capital eingesehen, 
welche durchaus erfüllbare Pflicht ihm auf diesem Gebiet seine
	        
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