Geschäftsstockungen.
655
angespannter und von schlafferer Energie, ganze Völker wech-
seln zwischen Zeiten stärksten Fortschritts und relativer Stag-
nation. Es ist natürlich, dass auch die Production und Con-
sumtion gewerblicher Producte nicht constant zunimmt,
sondern Schwankungen ausgesetzt ist. Das Schlimme aber
ist, dass bei solchen Schwankungen nicht alle Angehörigen
eines Productionszweigs zu einer durchschnittlichen Verminde-
rung ihrer Thätigkeit und ihres Consums gezwungen werden,
sondern dass ein Theil ganz arbeits- und brodlos wird. Und
das Uebel wird durch ein specielles fehlerhaftes Verhalten der
Leiter von Handel und Industrie besonders häufig und stark.
Wenn in Folge irgend einer äusseren Veranlassung die
Aussichten auf Absatz und Gewinn in einem oder vielen Pro-
ductionszweigen steigen, so nimmt die Lust des Producirens zu
und es werden mehr Arbeitskräfte oft gegen steigenden Lohn ge-
dungen. Dies thun aber viele Unternehmer gleichzeitig, ohne
dass der Einzelne sich um die gesammte Ausdehnung der
Production kümmert. Statt sich gegenseitig zu controlliren,
steigern sie sich gegenseitig in der Leidenschaft, indem Jeder
zuerst und am meisten zu gewinnen hofft. Schliesslich tritt
der Zustand ein, dass mehr Producte und diese zu höheren
Kosten erzeugt worden sind, als es der wirklichen Nachfrage
entspricht. Eine Zeit lang wird dies noch nicht erkannt oder
absichtlich verhüllt. Schliesslich tritt die unverkennbare
Unmöglichkeit ein, zu den gehofften Preisen zu verkaufen, es
folgen verschuldete und unverschuldete Bankerotte, welche
direct eine Einschränkung ‘des bisherigen Umfangs der Pro-
duction bewirken und auf längere oder kürzere. Zeit allge-
meine Muthlosigkeit erzeugen. Aus dieser entsteht dann ein
Zustand, demzufolge eine Anzahl von Arbeitskräften brach
liegt und in Elend geräth, obwohl weder die Menge der reel-
len Productionsmittel, noch der Menschen, die arbeiten und
geniessen können, abgenommen hat. Verschieden sind die
ersten Veranlassungen und die Ausdehnung solchen Aufeinan-
derfolgens von Ueberspeculation und Krisis — immer gerathen
dadurch Arbeiter in wenn auch vorübergehende, so doch