Handwerk und Grossindustrie, 673
dieser Verhältnisse, dass die drei Betriebsformen nicht in
abgeschlossenen Gebieten mit selbständigen Ordnungen neben-
einander existiren können, sondern sie suchen sich nothwendig
gegenseitig Terrain abzugewinnen, und das zunehmende oder
vollendete Uebergewicht einer Betriebsform beschränkt nicht
nur die Existenzsphäre der andern, sondern beeinflusst, resp.
zerstört auch die in dieser zur Herrschaft gelangten Ord-
nungen,
Es ist eine Thatsache, die man nicht weichlich beklagen,
sondern mit der man offnen Auges rechnen muss, dass keine,
wenn auch ihrer Zeit noch so segensreiche Ordnung des ge-
werblichen Lebens Recht und Aussicht auf ewigen Bestand
hat, Langsam und nur nach schweren Kämpfen entwickeln
sich diese Ordnungen und erhalten abgeschlossene Gestalt, in-
dem sich das Bedürfniss der Gewerbtreibenden mit dem der
andern Stände durch Vermittlung der Staatsgewalt ins Gleich-
gewicht setzt — und kaum ist dieses geschehen, so entwickeln
sich neue Bedürfnisse, die nothwendig über die alte Ordnung
hinausstreben.
In Jahrhunderten gelang es dem zünftigen Handwerk,
die seinen Bedürfnissen entsprechende Zunftordnung zu einem
Theile des öffentlichen Rechtes zu machen. Kaum hatten die
Kämpfe der Zünfte um Erringung des ihnen dienlichen Rechts
aufgehört, als sie anfıngen, dasselbe zur Ausbildung eines
gemeinschädlichen Monopolgeistes auszubeuten, und gleich-
zeitig neben ihnen eine auf grösseren Absatz speculirende
anderer Ordnungen bedürfende Industrie in ihren Anfängen
entstand.
In keinem Lande kann man diesen Process des wechseln-
den Uebergewichts der Betriebsformen und des Wechsels der
herrschenden gewerblichen Ordnung besser studiren als in
England.
Die natürliche Energie des Volkes, das frühzeitige Auf-
hören der Leibeigenschaft, der Mangel an verheerender In-
vasion fremder Kriegsheere ermöglichten einen starken und
verhältnissmässig ungestörten Aufschwung des gewerblichen
Lebens, die Menge der Seeküsten, die Colonien, die Dichtig-
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