L. Gesundheit der arbeitenden Bevölkerung. 721
Seite 19. Herr Pearson, ein Medicinalbeamter, spricht sich über die
Wohnungen in den Fabrikstädten von Lancashire folgendermaasen aus:
„Nach den von mir gemachten Beobachtungen bin ich geneigt, den
schmutzigen Zustand der Städte als die Hauptquelle des Fiebers anzusehen.
Viele der Strassen sind ungepflastert und bedeckt mit stehendem Wasser,
das sich besonders in zahlreichen grossen Löchern ansammelt. Die Ein-
wohner werfen in dasselbe alle möglichen Thier- und Pflanzenstoffe, die
injVerwesung übergehen und die gefährlichsten Dünste aushauchen.. Die-
sen Unflath lassen die Einwohner sich bis zu einem unglaublichen 'Maasse
ansammeln, so dass die Atmosphäre das reinste Gift wird im wahren Sinne des
Wortes. In vielen Strassen sind keine Abtritte vorhanden, und wenn
solche existiren, so sind sie in einem so schmutzigen Zustande, dass
sie absolut unbrauchbar erscheinen. Der Mangel an Abtritten muss natür-
lich den Unrath bedeutend vermehren, Zur Erzeugung von Malaria sind
besonders zwei Localitäten geeignet — ich meine das wüste Land vor
Bradshaw Gate und das zwischen Greenough’s row und Kerfoot’s row.
Viele der Hofräume sind von Häusern besetzt und umgeben, sodass ein
Durchzug ;von frischer ‚guter Luft geradezu unmöglich ist. Sie sind in
einem furchtbar kothigen Zustande in Folge der Dunghaufen, die man zu
einer ungeheuren Grösse anwachsen lässt und deren Jauche über den gan-
zen Raum sich ergiesst.“
Seite 22. Rev. Dr. Gilly von Norham sagt von den Wohnungen der
ländlichen Tagelöhner:
„Die Schornsteine haben bis zur Hälfte ihre ursprüngliche Höhe ver-
loren und lehnen sich mit einer Angst einflössenden Schiefe an das Dach
an. Die Sparren sind augenscheinlich verfault und verschoben, und das
Strohdach, an vielen Stellen Wind und Feuchtigkeit einlassend, kaum ir-
gend welchen Schutz gegen das Wetter gewährend, sieht mehr wie die
Spitze eines Düngerhaufens als die eines Hauses aus. Dies ist das Aeus-
sere; und wenn der Tagelöhner (hind) Besitz davon ergreift, so findet er
e8 nicht besser als einen Schuppen. Der Regen bildet auf dem Fussboden
äefeTPfützen, Der Boden enthält den abgelagerten Unrath von Jahren,
Fensterrahmen sind nicht vorhanden. Da ist weder Ofen noch Kessel,
noch Feuerrost, noch Gesims, noch irgend ein wandfester Gegenstand;
alle diese Dinge muss er mit sich bringen ausser dem gewöhnlichen Haus-
cath. Man denke sich je Mühe, die Unbequemlichkeiten, die Ausgaben
des ‚armen Menschen, bis er und seine Frau dies Gerippe einer Hütte in
einigermaassen bewohnbaren Stand gebracht haben. Dieses Jahr sah
ich eine Familie — Mann, Frau, zwei Söhne, vier Töchter, welche in der
äussersten Trostlosigkeit, in Verzweiflung waren, sich eine anständige Lage
zu. schaffen, drei oder vier Wochen, nachdem sie einen dieser Schuppen
betreten. Vergebens versuchten sie, die Risse zu verstopfen, die Löcher
in dem Fussboden auszufüllen, das Haus einigermaassen wohnlich zu
Held, Soc. Gesch. Engl. 46