M. Frauen und Kinder in den Gewerben. 737
ainer „Damen“-Schule angeeignet haben. Es ist nicht zu verwundern,
dass sie den ganzen Unterricht, den sie je erhalten, im Zeitraum von
2 oder 3 Jahren fast gänzlich wieder vergessen, wenn sie nach nur ein-
jährigem Besuch der Wochenschulen gleich in die Werkstatt kommen. Ich
glaube ganz bestimmt, dass nicht ein Drittel aller derer, die drei Jahre
in der Lehre waren, nur erträglich lesen oder schreiben kann. Und fer-
ner glaube ich, dass, wenn wir dem Wort „gebildet“ seine richtige Be-
deutung lassen, ohne damit mehr und Höheres bezeichnen zu wollen, als
die Kenntnisse, welche die arbeitenden Classen gewöhnlich besitzen, man
behaupten kann, dass wenigstens zwei Drittel der dieser Classe angehöri-
zen Kinder in Sheffield „ungebildet“ aufwachsen, wenn sie auch beim Ab-
zang von der Schule ziemlich viel gewusst haben mögen. (Symons Report,
App. Pt. 1)
Seite 177, Nach dem Bericht des Mr. Horne über den Zustand und
Charakter der jugendlichen Bevölkerung im District von Wolverhampton
befinden sich die Mehrzahl der dortigen Kinder auf der denkbar niedrig-
sten Stufe der Moral im vollsten Sinne des Wortes. Nicht dass sie be-
sonders lasterhaft und verbrecherisch wären, aber es fehlt ihnen jedes
moralische Gefühl. Sehr oft auch haben sie wenig moralisches Pflicht-
gefühl und Zuneigung zu ihren Eltern. Er sagt: „Ich schreibe dieses
zum grossen Theil dem Umstand zu, dass die Kinder in so zartem Alter
schon zur Arbeit geschickt werden und dass die Eltern fast allein auf
den Verdienst der Kinder bedacht und darum besorgt sind. Instinctiv
fühlt das Kind, dass es nur als ein Stück Maschine benutzt wird. Bald
lässt bei der fortwährenden Arbeit die Liebe zu den Eltern nach und er-
stirbt ganz. Geschwister werden in früher Jugend getrennt und wissen
oft später nur wenig von einander, da sie kaum Zeit hatten, sich kennen
zu lernen.“ Dieses frühe Arbeiten der Kinder bringt die zartempfäng-
lichen Seelen in unmittelbaren Contact mit allerlei Gemeinheit und
Rohheit und dadurch wird jede Wahrheitsliebe, jedes Zartgefühl, kurz,
jede Tugend des Charakters auf’s äusserste gefährdet, jeder Grundsatz,
wo ein solcher etwa in des Kindes Gemüth einzuprägen versucht worden
ist, im Keim wieder erstickt. )
Seite 177. Viele dieser armen Kinder sind durch die sie umgeben-
den Verhältnisse so sehr gedrückt, dass sie sogar das Elend ihrer Lage
nicht mehr zu empfinden im Stande sind.
Mr. Horne bemerkt: „Ich kann es nur als einen Beweis der Armuth
ihres Geistes und ihrer moralischen Natur betrachten, wenn so viele Aus-
sagen von Kindern und jungen Leuten, die sich in traurigen Verhältnissen
befinden, so gar nichts Klagendes an sich haben (Mr. Horne spricht hier
noch von den Gewerben in Wolverhampton). Viele dieser armen Kinder,
Held, Soc. Gesch. Engl. 47