Full text: Zwei Bücher zur socialen Geschichte Englands

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Belegstellen. 
die selbst angegeben haben, dass sie täglich 12—14 Stunden für 1 sh. 
6 pence oder 2 sh. 6 pence per Woche arbeiteten, wovon sie aber 
nicht einen penny zu eignem Gebrauch hätten, und während welcher Ar- 
beitszeit sie oft (wie in vielen Schmelzhütten) nicht zu regelmässigen 
Stunden ihre Mahlzeiten erhielten; die nur mit Lumpen bekleidet waren 
und zugaben, dass sie sich oft übel oder gar krank fühlten und dass 
sie nicht genug zu essen bekämen;: die zuweilen arg geprügelt würden, 
es aber „nur einen oder zwei Tage spürten“:-— diese armen Kinder ant- 
worteten dennoch, dass „sie gerne arbeiteten“ — „gut behandelt würden“ 
„nur bestraft würden, wenn sie es verdient hätten, etc. Sie kannten 
offenbar nichts anderes als aufzuwachen und Tag für Tag zur Arbeit zu 
gehen und fortzuarbeiten, bis man ihnen erlaubte, aufzuhören. Kine 
Frage wie „bist Du müde?“ war‘ früher niemals an sie gestellt worden, 
und sie verstanden sie entweder gar nicht oder sie hatten nur irgend 
aine unbestimmte Vorstellung von dem, was man damit meinte. Es wird 
deshalb nothwendig sein, einen Unterschied zu machen zwischen denjeni- 
ven, deren Aussage nichts zeigt, worüber sie sich beklagen könnten und 
denjenigen, deren Zeugniss zwar viel Elend zu Tage fördert, die uber 
keine Klage vorbrachten.“ 
In den Sheffield trades mischen sich Kinder und Erwachsene viel 
mehr durcheinander, als in den Baumwolle-, Wolle- und Flachsfabriken 
üblich ist und die Gespräche, die die Kinder dabei hören müssen, sind 
dazu geeignet, ihre moralischen Gefühle abzustumpfen und ihren Charak- 
ter zu verderben. Es ist in dieser Stadt Sitte, die Kinder in ungewöhn- 
lich jungen Jahren an einzelne Arbeiter zu vermiethen, so dass die Kinder, 
schon ehe sie 14 Jahre sind, der väterlichen Aufsicht entzogen werden, 
und vollständig ihr eigner Herr sind, „in allem, was ihre Gewohnheiten, 
ihre Zeiteintheilung , ihre Bildung und den religiösen Unterricht betrifft.“ 
— Die Kirche besuchen diese so früh sich selbst überlassenen Kinder 
nur ausnahmsweise; sie betrachten den Sonntag als die geeignetste Zeit, 
sich auf den Strassen herumzutreiben und um halfpence zu spielen. „Man 
zann an einem Sonntag nicht auf der Landstrasse oder auf abgelege- 
nen, ausser den Polizeigrenzen liegenden Wegen gehen,“ sagt Mr. Symons, 
„ohne zahlreichen Knaben zu begegnen von 12 Jahren und darüber, die 
ganz versunken sind in das was man dort »pinching« nennt, d. h. um 
Kupfermünzen spielen.“ Sehr früh gewöhnen sie sich das Trinken an 
and es giebt Bierhäuser, wo höchst schamlose Auftritte stattfinden. Auch 
wird gesungen, getanzt und Karten gespielt. Und die Besucher dieser 
Kneipen sind oft 14, meistens aber 15 oder 16 Jahre alt. Daneben giebt 
es auch Locale, wo Branntwein oder andere geistige Getränke geschenkt 
werden und wo viele Arbeiter gewöhnlich den Abend zubringen. Aber 
alle. Zeugenclassen sagen aus, dass „der allerempörendste Zug jugend- 
licher Verderbtheit in dieser Stadt die frühzeitige Befleckung ist, die durch 
die Vereinigung der Geschlechter entsteht:“ „dass jugendliche Prostitution
	        
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