{38
Belegstellen.
die selbst angegeben haben, dass sie täglich 12—14 Stunden für 1 sh.
6 pence oder 2 sh. 6 pence per Woche arbeiteten, wovon sie aber
nicht einen penny zu eignem Gebrauch hätten, und während welcher Ar-
beitszeit sie oft (wie in vielen Schmelzhütten) nicht zu regelmässigen
Stunden ihre Mahlzeiten erhielten; die nur mit Lumpen bekleidet waren
und zugaben, dass sie sich oft übel oder gar krank fühlten und dass
sie nicht genug zu essen bekämen;: die zuweilen arg geprügelt würden,
es aber „nur einen oder zwei Tage spürten“:-— diese armen Kinder ant-
worteten dennoch, dass „sie gerne arbeiteten“ — „gut behandelt würden“
„nur bestraft würden, wenn sie es verdient hätten, etc. Sie kannten
offenbar nichts anderes als aufzuwachen und Tag für Tag zur Arbeit zu
gehen und fortzuarbeiten, bis man ihnen erlaubte, aufzuhören. Kine
Frage wie „bist Du müde?“ war‘ früher niemals an sie gestellt worden,
und sie verstanden sie entweder gar nicht oder sie hatten nur irgend
aine unbestimmte Vorstellung von dem, was man damit meinte. Es wird
deshalb nothwendig sein, einen Unterschied zu machen zwischen denjeni-
ven, deren Aussage nichts zeigt, worüber sie sich beklagen könnten und
denjenigen, deren Zeugniss zwar viel Elend zu Tage fördert, die uber
keine Klage vorbrachten.“
In den Sheffield trades mischen sich Kinder und Erwachsene viel
mehr durcheinander, als in den Baumwolle-, Wolle- und Flachsfabriken
üblich ist und die Gespräche, die die Kinder dabei hören müssen, sind
dazu geeignet, ihre moralischen Gefühle abzustumpfen und ihren Charak-
ter zu verderben. Es ist in dieser Stadt Sitte, die Kinder in ungewöhn-
lich jungen Jahren an einzelne Arbeiter zu vermiethen, so dass die Kinder,
schon ehe sie 14 Jahre sind, der väterlichen Aufsicht entzogen werden,
und vollständig ihr eigner Herr sind, „in allem, was ihre Gewohnheiten,
ihre Zeiteintheilung , ihre Bildung und den religiösen Unterricht betrifft.“
— Die Kirche besuchen diese so früh sich selbst überlassenen Kinder
nur ausnahmsweise; sie betrachten den Sonntag als die geeignetste Zeit,
sich auf den Strassen herumzutreiben und um halfpence zu spielen. „Man
zann an einem Sonntag nicht auf der Landstrasse oder auf abgelege-
nen, ausser den Polizeigrenzen liegenden Wegen gehen,“ sagt Mr. Symons,
„ohne zahlreichen Knaben zu begegnen von 12 Jahren und darüber, die
ganz versunken sind in das was man dort »pinching« nennt, d. h. um
Kupfermünzen spielen.“ Sehr früh gewöhnen sie sich das Trinken an
and es giebt Bierhäuser, wo höchst schamlose Auftritte stattfinden. Auch
wird gesungen, getanzt und Karten gespielt. Und die Besucher dieser
Kneipen sind oft 14, meistens aber 15 oder 16 Jahre alt. Daneben giebt
es auch Locale, wo Branntwein oder andere geistige Getränke geschenkt
werden und wo viele Arbeiter gewöhnlich den Abend zubringen. Aber
alle. Zeugenclassen sagen aus, dass „der allerempörendste Zug jugend-
licher Verderbtheit in dieser Stadt die frühzeitige Befleckung ist, die durch
die Vereinigung der Geschlechter entsteht:“ „dass jugendliche Prostitution