M. Frauen und Kinder in den Gewerben. 743
sanz ausnahmsweise wird einmal die Sonntagsschule von dem einen oder
inderen besucht, und selbst wenn eines sein Gebet hersagen kann, ist es
nicht anders, als wenn es ein Papagei gedankenlos herplappert. In South-
Staffordshire soll der moralische Zustand der Kinder im grössten Gegen-
satz zu ihrem guten körperlichen Befinden stehen.
In Derbyshire sind theilweise bessere Zustände, da mehrere der Auf-
seher dort selbst Lehrer unter den Methodisten sind und strenge darauf
ıalten, dass den Kindern kein böses Beispiel gegeben werde; andere hin-
zegen thun das grade Gegentheil, Dass die in den Kohlengruben von
Yorkshire beschäftigten jungen Leute im Ganzen nicht sehr lasterhaft und
verbrecherisch sind, obwohl sie fluchen und unzüchtige Redensarten füh-
ren, schreibt Mr. Symons der äusserst angestrengten Arbeit zu, nach wel-
cher ihnen Ruhe die grösste Wohlthat sei.
Seite 156. Mr. Kennedy berichtet, dass in Lancashire der moralische
Zustand der Bergleute und ihrer Kinder im District sprichwörtlich gewor-
den ist; und dass alle Zengenaussagen aus allen Classen dies bestätigen.
So sagt der Rev. Joshua Paley: „Gewöhnlich herrscht eine furchtbare Ver-
worfenheit unter ihnen. Die Sitten der erwachsenen Bergleute sind der-
artig schlecht, dass wir die grössten Schwierigkeiten zu überwinden haben
ım ihnen etwas religiöse Belehrung beizubringen. Die Gewohnheit der
Unmässigkeit ist so eingenistet bei ihnen, und es bieten sich ihnen so
viele Gelegenheiten, derselben zu fröhnen, dass unsere guten Absichten
and Bemühuugen vereitelt werden. Die Jüngeren bestreben sich, dem
Beispiel der Aelteren zu folgen und deren Gewohnheiten und Manieren
nachzumachen. Wenn junge Leute beiderlei Geschlechts solchen Versuch-
ungen ausgesetzt sind und so häufig ermuthigt, oder doch nicht abgehal-
ten werden, die Wirthshäuser und Bierschenken zu besuchen, so gewöh-
nen sie sich frühzeitig an Auftritte der Trunkenheit und Schamlosigkeit.“
Seite 157. Mr. Franks bezeichnet den leitenden Grnndzug des Cha-
rakters der Bergleute im östlichen Schottland als einen totalen Mangel
aller Energie, und diesem schreibt er es zu, dass sie keine Verbrechen
begehen. Er sagt: „Derjenige District, den ich durchforscht habe, bietet
den Anblick einer arbeitsamen unerzogenen Bevölkerung dar, die nicht zu
klagen pflegt und wenig Laster hat, aber sowohl an religiösem als intellec-
iuellem Wissen, an moralischem Muth und Unternehmungskraft, an jedem
Sinn für Behaglichkeit, selbst häuslicher Art, allen anderen.Classen nach-
steht; und dennoch weist ihr Zustand im Vergleich mit Anderen, die mo-
ralisch und intellectuell höher stehen, einige gute Züge auf. Sie sind stets
gegen ihre Arbeitgeber nicht nur artig, sondern haben dieselben oft herz-
lich lieb, und niemals kommt bei ihnen ein so freches und unhöfliches Be-
nehmen‘ vor wie bei den Fabrikarbeitern; sie hören die Geistlichen gern
and sehr ernsthaft an; sie zeigen und empfinden wahrscheinlich auch