M. Frauen und Kinder in den Gewerben, 747
Zeit, sich die Fähigkeiten zu erwerben, die ihnen später am nothwen-
ligsten sind, wenn sie, zu Frauen herangewachsen, eigene Familie
haben und dann den Verdienst ihres Mannes zusammenhalten und es
in ihrer Häuslichkeit nett und behaglich machen sollen. Sie sind nicht
im Stande, Handarbeiten zu erlernen und sich Sinn für Reinlichkeit,
Nettigkeit und Ordnung anzugewöhnen.. Dieser Mangel an häusfräu-
licher Befähigung unter den Frauen dieser Klasse wird von Geist-
‘ichen, Lehrern, Aerzten, Arbeitgebern und andern Zeugen als eine
mächtige und allgemein herrschende Ursache von viel Elend und Ver-
brechen unter den arbeitenden Classen bezeichnet.
Es ist selbst bei den Besten unter den Arbeitgebern selten, dass sie
für das moralische Wohl ihrer jungen Arbeiterbevölkerung mehr thun,
als in den Werkstätten gedruckte Statuten aufzuhängen, in welchen die
Pflichten und das Benehmen der Kinder vorgeschrieben sind und worin
Jen erwachsenen Arbeitern das Schlagen oder sonstige Misshandeln
derselben untersagt wird. Allein weder die Arbeitgeber selber noch
ihre Agenten kümmern sich persönlich darum, dass auch diesen Sta-
tuten gemäss gehandelt werde. In den meisten Fällen geschieht aber
zelbst dies Wenige nicht; sondern jede Verbindung zwischen Arbeit-
geber und jugendlichen Arbeitern hört auf, sobald die Letzteren, nach-
dem sie zu bestimmter Stunde in die Werkstatt gekommen sind, wäh-
rend der Arbeitszeit ununterbrochen fortgearbeitet und ihr Tagewerk
vollendet haben, den Heimweg antreten.
Es giebt Beispiele, wo sowohl Knaben und Mädchen, wie junge Männer
und junge Frauenzimmer ihre Arbeit in getrennten Räumen verrich-
ten, allein es ist dies sehr selten; gewöhnlich arbeiten sie nicht nur
in demselben Zimmer, sondern sie kommen bei der Arbeit oft in noch
grössere Nähe zu einander, wie in den Leinwand-, Wollen-, Seiden-
ader Flachsfabriken, und es stimmen alle Zeugen darin überein, die-
sem Umstand eine sehr demoralisirende Wirkung zuzuschreiben.
3. In den meisten Fällen stehen die jungen Leute, so lange sie in der
Werkstatt sind, unter der Controlle und Fürsorge der erwachsenen
Arbeiter, sind deren Diener und werden von ihnen gedungen und be-
zahlt; nach der Arbeit aber finden sie keinerlei Art von Aufsicht
mehr sondern können ihre Zeit nach Belieben benutzen,
Trotzdem sie ihre Jugendzeit in so höchst ungünstiger und verderb-
licher Atmosphäre zubringen, entgehen doch viele dieser Kinder und
jungen Leute einem permanenten Verkommen und werden im späteren
Leben ebenso achtbar und anständig, wie andere Leute ihrer
lasse; doch ist dies nicht der gewöhnliche Verlauf; denn bei sehr
grossen Massen dieser Kinder und jungen Leute zeigen sich die viel
natürlicheren Wirkungen eines Zustandes, in welchem sie schon in so
jungen und unreifen Jahren die vollständigste Unabhängigkeit besitzen
und folglich in ihrer Kindheit Gewohnheiten annehmen, did für die
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