Zuerst wurden Werkzeuge erfunden, um die Handarbeit zu
unterstützen, dann Maschinen, um sie zu ersetzen. Das Spinnrad,
der Webstuhl, die Mühle waren die Maschinen des Alterthums,
das der Handarbeit und dem Handwerk den bei weitem größern
Antheil an der Güterzeugung überließ. Der stannenswerthe Auf.
schwung der technischen Cultur unserer Zeit beginnt erst seit der
Mitte des 18. Jahrhunderts, besonders gefördert durch die Fortschritte
der Mechanik, der Chemie und Physik und aller andern Zweige der
Natnrwissenschaften. Die welthistorische Erfindung des James Watt,
dessen Verdienste die Nachwelt in immer hellerem Lichte erkennen
wird, steht allen andern voran, da sie in alle Industriezweige um—
gestaltend eingegriffen hat. Bei weitem der größte Theil aller
Fabriken wurde bald in England durch Dampfkraft getrieben;
dem Wasserrad ließ man nur bei besonders günstiger Lage sein
früheres Geschäft. Schon seit dem Ende des 17. Jahrhunderts
hatte man Versuche gemacht, den Dampf zur Bewegung von
Maschinen zu verwenden und schon längst vor Watt waren die s. g.
Newcomen'schen Dampfmaschinen, besonders in Bergwerken, in
Gebrauch. Aber alle diese Versuche waren so unvollkommen, daß
die Dampfmaschine durchaus kein Hebel für die Industrie hätte
werden können, wenn nicht Watt's mechanisches Genie diese rohen
Anfänge weiter entwickelt hätte. Die erste Dampfmaschine, welche
in der Baumwollenindustrie in Anwendung kam, wurde im Vahre
1785 zu Papplewick in Nottinghamshire von Watt selbst errichtet.
Watts Erfindung machte die schnellsten Fortschritte. Nach einer
officiellen Berechnung zählte man bereits im Jahre 1822 in Groß.
britannien und Irland 10,000 Dampfmiaschinen, unter diesen waren
mehrere mit 140 Pferdekraft, im Durchschnitt aber kam auf eine
die Kraft von zehn Pferden; 1824 zählte man bereits 15, 000
Dampfmaschinen. In den verschiedenen Zeugfabriken (Wolle, Baum—
wolle, Seide und Leinwand) wirkten im J. 1839 74,094 Dampfma-
schinen. Dabei muß man bedenken, daß die Dampfmaschinen Tag und
Nacht in Bewegung gehalten werden können, daß aber ein Pferd nicht
länger als acht Stunden des Tages angestrengt zu arbriten vermag,
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