Full text: Vorschule der Volkswirthschaft

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serer Zeit, zeigt uns den Unterschied beider Dinge recht handgreiflich. 
Kein Laud der Erde hat so viel Geldmetall aufzuweisen, kein an; 
deres, dem Verkehr zugängliches Laud ist aber zur Zeit so arm an 
Capital. Im Jahre 1855 beliefen sich die Verschiffungen von Ca—. 
liforniagold auf 45 Mill. Pf. St., die Münze prägte 21 Mill. 
Ueber den Miethzins der Capitalien lesen wir aber in einem Be— 
richt, dessen Verfasser nach der üblichen Redeweise ebenfalls das 
Wort „Geld“ gebraucht, um „verleihbares Capital“ zu bezeichnen: 
„Der Geldmarkt hat im Laufe des vorigen Jahres (1855) hier eine 
ernsthafte Krisis durchgemacht; im Anfange desselben, gleich nach 
dem Falle der Banken, war Geld sehr gesucht, und enorme Zinsen 
wurden denjenigen gezahlt, die noch den Muth hatten, ihre Capi · 
talien auszuleihen. Gegen Erwarten dauerte diese Periode jedoch 
nur kurze Zeit, indem, sobald es sich herausstellte daß dem Falle 
der Banken nicht eine allgemeine Zahlungseinstellung nachfolgte, 
Geld auch nach und nach hänfiger wurde, und der Discont einen 
niedrigern Standpunkt erreichte, wie je zuvor. Während der Som— 
mermonate wurde Geld auf Grundeigenthum unter sehr günstigen 
Bedingungen zu 19 pr. Monat, und auf Waaren zu 28 pr. Mo— 
nat ausgeliehen.“ 
„Die zunehmende Verbesserung des Geschäftes, welches wäh ⸗ 
rend mehrerer Monate sehr lebhaft war, hatte zur Folge, daß 
Geld gesuchter wurde und der Discont nach und nach stieg. Seit 
Oktober v. J. wurde für Anleihen auf Grundeigenthum für 6 à 
12 Monate 14 à 28 pr. Monat, und auf Waaren für 344 
Monate 3 à 49 pr. Monat bewilligt.“ 
Wir finden also in Californien eine unverhältnißmäßige Geld- 
menge, weit über den eigenen Bedarf des Landes hinaus, und deß 
halb vorzugsweise als Exportwaare benutzt; dagegen aber einen so 
geringen Capitalvorrath, daß die Jahresmiethe für verleihbare Ca· 
bitalien 12 bis 488 beträgt. Wäre es die Menge des vorhande⸗ 
nen Geldes, welche den Zins, Discont, bestimmt, dann müßte in 
Californien der Zinsfuß geringer sein, als in allen andern Ländern. 
Die überschüssige Geldmenge daselbst macht allerdings das Geld 
wohlfeil, aber nicht im Sinne unserer Cursblätter, welche damit
	        
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