Full text: Vorschule der Volkswirthschaft

Regel erhebliches Grundeigenthum erforderlich ist, dessen Werth 
man durch Aufnahme von Hypotheken weuigstens theilweise zu 
Gunsten des Hauptgeschäfts flüssig zu machen pflegt. Uns ist aber 
kein Fall kund geworden, in welchem jene Besorgniß sich in Folge 
der Aufhebung der gesetzlichen Zinsbeschränkungen bei wirklich vor⸗ 
handener Sicherheit gerechtfertigt hätte. Wir sehen noch jetzt täg 
lich, daß Capitalien auf erste Hypotheken zu 418 ausgeliehen wer— 
den, oder zu 41 und sogar zu 48 stehen bleiben, obgleich 38 für 
lange Zeit unkündbar bedungen werden dürfen. Sollten aber in 
einzelnen Fällen anscheinend übertrieben hohe Zinsen auch für Hypo- 
theken bewilligt und eingetragen sein, so wird aus einer solchen 
Erscheinung, die höchst wahrscheinlich bei genauer Betrachtung des 
betreffenden Falles in ungewöhnlichen Verhältnissen ihre Erklärung 
findet, und die bei einer großen Geldcalamität und der Neuheit 
des unbeschränkten Zinsberkehrs überhaupt nicht überraschen könnte, 
auf die dauernde Wirkung einer gänzlichen Beseitigung der den 
Zinsfuß beschränkenden Gesetze kein Schluß zu ziehen sein. Die lang ; 
jährige Erfahrung anderer Länder gibt hiervon das beste und unwi— 
derleglichste Zeugniß. 
Es ist überhaupt, unserer Ueberzeugung nach, ein entschiedner 
Irrthum, wenn man glaubt, daß die Möglichkeit, einen sehr hohen 
Zins für sichere Darlehne bedingen zu können, die Folge haben 
wird, daß man ihn wirklich bedingt und erhält. Vor etwa 10 
Jahren waren 58 bei Hypotheken erlaubt und gleichwohl wurden 
für sichere Hypotheken nur 84 und 48 bewilligt. Aendert sich die 
Conjunetur, so steigt der Zinssatz trotz aller beschränkenden Gesetze, 
und die Folge der letzteren kann keine andere sein, als daß sich das 
Geld entweder den Darlehnsgeschäften entzieht, oder daß die Umge— 
hung jener Gesetze von den Darlehnsnehmern mit Opfern erkauft 
werden muß, die um so größer sind, als die Zahl derjenigen Per— 
sonen, die sich auf dergleichen Geschäfte einlassen, im Verhältniß zu 
der Zahl der Geldsuchenden immer nur gering ist. — Wir sind 
daher durch die Erfahrungen, welche die neueste Zeit dargeboten 
hat, in der schon früher ausgesprochnen Ueberzeugung unbedingt 
bestärkt worden, daß dem Interesse des Verkehrs nach allen Rich-
	        
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