Full text: Vorschule der Volkswirthschaft

— 349 — 
scheint der Schilling zu einer Zeit nur fünf Pennys enthalten zu 
haben, und es ist nicht unwahrscheinlich, daß er unter ihnen eben 
so veränderlich war, als unter ihren Nachbaren, den alten Franken. 
Seit der Zeit Karls des Großen unter den Franken und Wilhelms 
des Eroberers unter den Engländern scheint das Verhältniß zwischen 
Pfund, Schilling und Pennh bis auf den heutigen Tag dasselbe 
geblieben zu sein, obgleich ihr Werth sehr verschieden gewesen ist. 
Denn ich glaube, daß in allen Ländern der Welt Geiz und Unge- 
rechtigkeit der Fürsten und Regierungen das Vertrauen der Unter- 
thanen mißbrauchten, und nach und nach den wirklichen Metall- 
zehalt, welcher ursprünglich in den Münzen vorhanden war, berrin 
gerten. Das römische As wurde in der letzten Zeit der Republik 
auf den vierundzwanzigsten Theil seines ursprünglichen Werthes re— 
ducirt, und wog statt eines Pfundes nur eine halbe Unze. Das 
englische Pfund und der englische Penny enthalten gegenwärtig etwa 
den dritten, das schottische Pfund und der schottische Pennh etwa 
den sechsunddreißigsten, und das französische Pfund und der fran. 
zösische Pfennig etwa den sechsundsechszigsten Theil ihres ursprüng- 
lichen Werthes. Durch diese Operationen setzten sich Fürsten und 
Regierungen in den Stand, dem Scheine nach ihre Schulden zu 
bezahlen, und ihre Verpflichtungen mit einer geringeren Masse Silber, 
als sonst nöthig gewesen wäre, zu erfüllen. Es war allerdings nur 
dem Scheine nach so; denn ihre Gläubiger wurden wirklich um 
einen Theil dessen, was ihnen zukam, betrogen. Allen andern 
Schuldnern im Staate kam dasselbe Privilegium zu Gute, und sie 
konnten, was sie in alter Münze geborgt hatten, mit derselben no— 
minellen Summe der neuen, schlechten Münze bezahlen. Solche 
Operationen erwiesen sich daher stets günstig für den Schuldner und 
berderblich für den Gläubiger, und brachten zuweilen größere und 
allgemeinere Revolutionen im Vermögen der Privatpersonen hervor, 
als die größte allgemeine Calamität hätte verursachen können. 
Auf diese Weise ist das Geld bei allen eivilisirten Völkern das 
allgemeine Handelsinstrument geworden, durch dessen Vermittelung 
Büter aller Art gekauft und verkauft, oder gegen einander ausge— 
tauscht werden.“
	        
Waiting...

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.