Full text : Vorschule der Volkswirthschaft

*

bringt. Das Klima macht die Südländer der nordamerikanischen
Union unwillkürlich träger als die Nordländer. Für die ersteren
arbeitet die Sonne mehr umsonst, hingegen beeinträchtigt sie die
Arbeitskraft; im Norden dagegen thut sie der Arbeitskraft weniger
Eintrag, begünstigt dagegen nicht so sehr das Wachsthum gewisser,
dem Norden unentbehrlich gewordener Bodenprodukte. Tauschen nun
beide Regionen ihre Produkte gegenseitig aus, so befinden sie sich
am besten dabei, weil dann die nuentgeltliche Arbeit der Sonne
dem Norden, die menschliche Arbeit dem Süden zu Gute kommt.
Die Zuckerproducenten in Deutschland sind im Nachtheile gegen die
der heißen Zone, weil hier die Sonne einen größeren Theil der
Arbeit verrichtet. Um eoncurriren zu können, muß der Staat den
ersteren zu Hülfe kommen, indem er durch den hohen Soll auß
ausländischen Zucker die inländischen Consumenten zwingt, den Pro—
ducenten einen höheren Preis zu bezahlen, als sie im Auslande
bezahlen müßten.
Auch in Ländern gleichen Klimas können nicht dieselben Pro—
duktionszweige betrieben werden, wenn die Capital- und Arbeiter.
verhältnifse nicht dieselben sind. Ein Land, das arm an Capital
und reich an Arbeitskraft ist, wird solche Industriezweige begünstigen,
welche wenig Capitalaufwand und viel Arbeit erfordern, wie z. B.
der Jura und der Schwarzwald die Uhrenfabrikation, die Holz—
schnitzerei, die Strohflechterei. England, das reich an Capital- und
Arbeitskraft ist, wirft siih dagegen auf die Massenproduktion von
Gegenständen des allgemeinen Bedarfs, da es durch langen Credit
die Concurrenz besser aushalten kann als andere Länder. Holland
treibt besonders Handel, weil es im Verhältniß zur Fülle seines
Capitals arm an Arbeitskräften ist. Rußland (wie zum Theil
Deutschland) muß besonders Ackerbau und Viehzucht treiben, weil
es reich an stehendem Capital (Grundstücken), aber arin an umlau—
fendem und an Arbeitskräften ist, um erst durch Aufsammlung von
beweglichem Vermögen das Werkzeug hervorzubringen, das künuftigen
Generationen zur industriellen Produktion dienen kann. Es ist eine
durchaus fehlerhafte Politik, wenn Länder, in denen die Factoren
der Produktion im verschiedenen Maße vorhanden sind, miteinander,
            
Waiting...

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.