Full text: Vorschule der Volkswirthschaft

233 
unbequem, ich will lieber etwas anderes für Euch thun. Ihr fahrt 
fort, mir Wasser zu tragen, und ich gebe Euch 6 Pfennige. Wird 
der Vorschlag angenommen, so kann der Volkswirth, ohne einen 
Irrthum zu begehen, sagen: Die Dienstleistung ist 6 Pfennig werth.“ 
Später wartet mein Nachbar die Aufforderung gar nicht mehr 
ab. Er weiß, daß ich alle Tage zu trinken nöthig habe, und kommt 
meinen Wünschen zuvor. Nun holt er auch für andere Dorf— 
bewohner Wasser; kurz er wird Wasserhändler. Dann fängt man 
an sich so auszudrücken: das Wasser ist 6 Pfennige werth. 
Aber wie, hat denn das Wasser seine Natur verändert? Der 
Werth, der noch eben in der Dienstleistung steckte, ist er körperlich 
geworden, um sich mit dem Wasser zu vermischen und ein chemi⸗ 
sches Element hinzu zu fügen? Hat eine leichte Veränderung in der 
Form des zwischen mir und meinem Nachbar getroffenen Ueber⸗ 
einkommens die Macht, das Princip und die Natur des Werths 
zu ändern? 
Niemand ist ein solcher Wortklauber, um sich der Redeweise: das 
Wasser ist 6 Pfeunig werth, zu widersetzen. Aber man muß wissen, 
daß dies bildliche Bezeichnungen sind, die mit der Wirklichkeit der 
Verhältnisse nichts zu thun haben; daß im wissenschaftlichen Sinn 
der Werth eben so wenig im Wasser wohnt, als die Sonne in's 
Meer untertaucht. — 
Lassen wir den Dingen die ihnen zukommenden Eigenschaften, 
der Luft und dem Wasser die Nützlichkeit, der Dieustleistung ihren 
Werth. Sagen wir, nützlich ist das Wasser, weil es die Fähigkeit 
hat, den Durst zu löschen. Werth hat die Dienstleistung, weil sie 
den Gegenstand eines erörterten Vertrags bildet. Dies ist so wahr, 
daß wenn wir der Quelle ferner oder näher sind, die Nützlichkeit des 
Wassers dieselbe bleibt, nur der Werth steigt und fällt. Der Werth 
steckt also in der Dienstleistung, da er mit ihr und gleich ihr schwankt. 
Ich gehe am Ufer des Meeres spazieren. Der Zufall läßt 
mich einen Diamant finden. Da bin ich nun im Besitz eines großen 
Werths. Weshalb? Erweise ich der Menschheit eine Wohlthat? 
Habe ich mich einer anhaltenden und schweren Arbeit unterzogen? 
Weder Eins noch das Andere. Weshalb aber hat dieser Diamant 
R m
	        
Waiting...

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.