Full text: Urzeit und Mittelalter (Abt. 1)

Die Karlingische Renaissance. 
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nur mittelbar und nur im Verlaufe von Nebenströmungen. 
So hat die angelsächsische Litteratur, wie sie im Gefolge Boni⸗ 
fazens und seiner Gehilfen in Deutschland bekannt wurde und 
später durch Vermittlung Alcuins und seiner Schüler einzu— 
wirken vermochte, wohl dazu beigetragen, die althochdeutsche 
Übersetzungslitteratur aus lateinischen Originalen fast durchweg 
kirchlichen Charakters zu fördern. Formell vermittelnd hat 
weiterhin auch die lateinische Hymnik gewirkt; freilich wurde 
sie von der Karlingischen Renaissance eher vernachlässigt als be— 
günstigt. Ihr scheint die deutsche Dichtung der Karlingenzeit 
den Reim entnommen zu haben, doch wäre dieser Vorgang dann 
eher eine Folge der hymnischen Melodik gewesen, also eine Er⸗ 
rungenschaft der musikalischen, nicht der poetischen Rezeption. 
Allein auch dieses neue Element fand einstweilen nur ge— 
ringen Anklang; umfassend verwendet ward es fast nur in dem 
Werke Otfrids von Weißenburg (ums Jahr 870), jenem trockenen, 
einer Evangelienharmonie entnommenen Lehrgedicht über das 
Leben Christi, das in seiner Überbürdung mit Symbolik und 
Exegese nie volkstümlich geworden ist und das als Sprach⸗ 
denkmal für uns von weit größerer Bedeutung ist, denn als 
poetische Leistung für die Zeitgenossen, wenn es auch die Merk⸗ 
male der Nationalisierung des Christentums fast in gleichem 
Maße an sich trägt wie der Heljand. 
So blieb der germanische Kreis dichterischer Anschauung, der 
tiefe, in eignen Abwandlungen weiter strömende Zug einheimis cher 
Epik so gut wie unberührt von der Dichtung der Renaissance. 
Wichtig wurde diese nur durch Verbreitung von Wissen. 
Aber auch hier reichte die Befruchtung der germanischen 
Stämme nicht entfernt an die der romanischen Länder. Die 
UÜberführung Arnos z. B., eines der akademischen Pfalzgenossen 
Karls des Großen, auf den erzbischöflichen Stuhl von Salz⸗ 
burg bewirkte allerdings, daß in Salzburg eine Bibliothek von 
etwa 150 Handschriften entstand, daß ein Verzeichnis der 
Schenkungen bayrischer Herzöge an das Erzstift, daß ein 
Formelbuch für Briefe und Urkunden angelegt ward; auch kurze 
zgeschichtliche Aufzeichnungen wurden gefertigt — darüber hinaus 
Lamprecht, Deutsche Geschichte II. 8
	        
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