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Fünftes Buch. Drittes Kapitel.
Denn noch war die seelische Spannung zwischen der Em—
pfindung eines wirtschaftlichen Bedürfnisses und dessen Be—
friedigung so gering, daß es dazu nicht langer und stark
wechselnder Wirtschaftsüberlegungen und damit einer entschei—
denden Rationalisierung des wirtschaftlichen Denkens bedurfte:
innerhalb der geschlossenen Hauswirtschaft des Einzelnen be—
wegte sich Bedürfnis und Genuß, Verbrauch und Erzeugung.
Wie änderte sich das alles mit dem Emporkommen des
Großgrundbesitzes! Zwar versuchten die Germanen wohl nur
ganz vereinzelt, den alten, plantagenartigen oder nach Kolonaten
geordneten Großbetrieb jener römischen Latifundien fortzusetzen,
in deren Eigentum sie gelangt waren. Doch hatten sie selbst
schon in der Urzeit ausnahmsweise einen Anbau größeren
Landbesitzes, vornehmlich wohl der Häuptlinge, gekannt, dessen
System sich jetzt vervollkommnet anwenden ließ. Das Land
war in Hufen geteilt gewesen, auf Hufen meist wohl von der
halben Größe des freien Hofgutes hatten Unfreie gesessen in
selbständiger Wirtschaft, doch hatten sie dem Herrn gewisse
Dienste und Abgaben entrichtet. Dieses System ward jetzt um
eine Stufe erweitert. Auch in dem Großgrundbesitz der Kar—
lingischen Zeit, dessen einzelne Hufen und Anbauflächen oft
über viele Quadratmeilen und Hunderte von Dörfern im Streu—
besitz verzettelt lagen, ließ sich eine verständige Nutzung nur im
Einzelbau denken: die Güter wurden an kleine Leute in den
Formen rechtlich mannigfach verschiedener Leihe ausgethan.
Nur war es nun nicht mehr möglich, wie einstmals im ur—
zeitlichen Betrieb, daß der Grundherr unmittelbar und persönlich
alle Leistungen und Abgaben der Beliehenen entgegennahm:
das verboten Zahl und Entfernung der nutzbar gemachten
Hufen. So stellte er für jede Gruppe benachbarter Leihbauern
eine Empfangsstelle her: eine Hufe ward zu diesem Zwecke einem
seiner Diener, der nun meist den Namen Meier führte, über—
geben: der nahm die Naturallieferungen ein und verrechnete
sie dem Herrn, der beaufsichtigte die Leitung der Pflug- und
Erntefronden auf dem herrschaftlichen Rottfeld seines Bezirkes.
Fin Netz von Meiereien breitete sich unter der Zentralstelle gqus: