Full text: Urzeit und Mittelalter (Abt. 1)

116 Fünftes Buch. Drittes Kapitel. 
hunderts, die Anfänge einer neuen politischen Gliederung 
emporrangen. Diese neue Gliederung aber zeigte einen hervor⸗ 
ragend germanischen Charakter: sie warf die vornehmen Fetzen 
des Universalreiches ab, die während der Karlingenzeit das 
deutsche Leben verdeckt hatten, und suchte wiederum anzuknüpfen 
an die alte verfassungsmäßige Gliederung der Nation, indem sie 
die von der Karlingischen Reichsgewalt unterdrückten Stammes— 
herzogtümer von neuem entwickelte, ja in Sachsen zum ersten⸗ 
mal eine wirkliche Stammesgewalt zu schaffen begann. 
Der sächsische Stamm war seit der inneren Zersetzung des 
Universalreiches vielfach wieder seine eigenen Wege gegangen. 
Namentlich gilt das vom sächsischen Osten: der Nordsee und 
Elbe, den Normannen und Slawen zugekehrt, hatte er in 
blutigen Kämpfen sich seines germanischen Daseins zu wehren. 
In diesen Verhältnissen wuchs das Haus der sächsischen Kaiser 
empor. Wurzelhaft in der Gegend von Quedlinburg, an der 
Grenze der damals weit über die Elbe hinaus vorgeschobenen 
Slawen, nicht weit entfernt auch von dem Schauplatz dänischer 
Einfälle im linkselbischen Unterland, dabei jenseits aller ge— 
schichtlichen Kunde auch schon um Korvey herum, an den OQuellen 
der Lippe begütert, beginnt es unter Liudolf (f 864) zum 
führenden Geschlechte des Stammes zu werden. Von den Kin— 
dern Liudolfs ward Liutgard Gemahlin des Karlingen Ludwig, 
eines Sohnes Ludwigs des Deutschen, widmeten sich Hathumod 
und Agius dem geistlichen Leben, während Bruno und Otto der 
Heimat und den politischen Aufgaben des Hauses treu blieben. 
Bruno, der sagenhafte Begründer Braunschweigs, fiel im 
Jahre 880 im Kampfe gegen die Normannen als Führer des 
sächsischen Heeres; seitdem trat der jüngere Bruder Otto in 
den Vordergrund. Er entwickelte ein herzogliches Machtgebot 
nicht bloß über Sachsen, sondern seit der furchtbaren Besiegung 
der Thüringer durch die Ungarn im Jahre 908 auch über 
Thüringen; er ist der Vater des späteren Königs Heinrich J. 
Heinrich folgte ihm nach seinem Tode im Jahre 912 in seine 
Stellung: durch eine erste Heirat an den sächsisch-thüringischen 
Grenzen, durch eine zweite Vermählung mit der Grafentochter
	        
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