Politische u. soziale Wandlungen; Schicksale des ostfränkischen Reiches. 117
Mahthild, die sich der Abkunft von Widukind rühmte, auch
in Engern reich begütert, war er der erste wirkliche Herrscher
im Lande.
In der That war Heinrich um die Mitte des zweiten
Jahrzehnts des 10. Jahrhunderts weitaus der mächtigste
Stammesfürst des Reiches. Ganz Norddeutschland mit Aus—
nahme der Friesen gehorchte ihm, in Mitteldeutschland besaß
er wenigstens durch ganz Thüringen Einfluß; er war der Hüter
der östlichen Grenze vom Nordmeer bis zum Main; seine Macht
war im Laufe eines Jahrhunderts, festgegründet auf frühe
Verdienste der Ahnen, erwachsen; in seinem Hause hatte der
sächsische Stamm zum erstenmal, gleichsam in jugendlichster
Kraft und Frische, aus germanischen Zuständen heraus ein
Herzogtum gezeitigt, wie es die Baiern seit dem 6. Jahrhundert,
die andern Stämme seit noch viel früherer Zeit besessen hatten.
Eine fast ebenso mächtige Entfaltung des Herzogtums finden
wir um die Wende des 9. und 10. Jahrhunderts in Baiern.
Hier war das Gedenken an die Agilulfinger und den furchtbaren
Sturz Tassilos noch nicht verhallt; als das Königtum die Ver⸗
teidigung des Stammes gegen Slawen und Ungarn nicht mehr
mit Kraft zu führen vermochte, kam eine jener ursprünglichen
Veranlassungen, die zur Zeit der Völkerwanderung zur erst⸗
maligen Bildung des Herzogtums geführt hatten, das Bedürfnis
des Stammes nach Schutz gegen äußere Feinde, den Grafen
der Donauostmacht zu gute. Markgraf Liutpold fiel im
Jahre 907 im Verteidigungskampfe gegen die Ungarn; nach
seinem Tode trat sein Sohn Arnulf mit herzoglicher Gewalt
an die Spitze des bairischen Stammes.
Weniger klar und sicher entwickelten sich neue herzogliche
Gewalten im Innern des Reiches, bei den fortgeschritteneren
Stämmen der Franken und Schwaben.
In Franken kämpften zwei vornehme Geschlechter um die
Führung, die Konradiner, deren Heimatsburg auf den steilen
Felsen des Lahnthals bei Limburg lag, und die Babenberger,
mit reichem Eigengut ausgestattet in der Gegend des Zusammen⸗
flusses von Regnitz und Main, um das heutige Bamberg. Beide