Full text: Urzeit und Mittelalter (Abt. 1)

120 Fünftes Buch. Drittes Kapitel. 
tümer ungleich kräftiger entgegenzuwirken als das Kind, das 
vor ihm herrschte. Und es ehrt ihn, daß er diesen, bei den 
geschwundenen Mitteln des Königtums beinahe aussichtslosen 
Versuch gleichwohl, weil er den Kampf als eine Pflicht der 
Krone ansah, gewagt hat. In Franken selbst Herr, beabsichtigte 
er vor allem die süddeutschen Herzöge von Schwaben und Baiern 
auf gütliche Weise zu gewinnen, um sich dann gegen die 
schlimmsten Feinde der Einheit, gegen das nach Westen ab—⸗ 
gefallene Lothringen und gegen das völlig eigenmächtige Sachsen 
zu wenden. Allein was immer er auch in diesen Richtungen 
ernst und geschickt versuchte: es scheiterte an der Übermacht der 
partikularistischen Entwicklung. 
In dieser Not hat sich Konrad schließlich dem Klerus zu⸗ 
gewendet, der einzigen noch im centralen Sinne wirkenden Macht. 
Mit vollster Gunst wurden seine Bestrebungen hier aufgenommen; 
die von Bonifatius begründete Einheit der deutschen Kirche 
ward wiederum politisch wichtig. Ja selbst der Zusammenhang 
der Kirche mit Rom erhielt jetzt Bedeutung: Papst Johann X. 
sandte einen Legaten zu der Synode der deutschen Bischöfe, 
die — mit Ausnahme der sächsischen — im Herbst 916 in 
Altheim bei Nördlingen zur Besserung der Schäden im Reiche 
zusammentrat. Und kräftig genug fiel die Aktion der Kirche 
zu Gunsten des Königtums aus: Eidbruch gegenüber dem 
König sollte mit den schwersten Strafen geahndet werden; offen 
erklärte man sich gegen das Herzogtum, indem man persönlich 
gegen die Grafen Erchanger und Berhtold einschritt, die nach 
der Vollgewalt in Schwaben strebten. 
Allein all diese Maßregeln der Kirche, obwohl aufs 
energischste vom König unterstützt, hatten keinen Erfolg. Auch 
die Macht des Klerus schwand dahin vor dem siegreichen Fort⸗ 
schritt der Stammesgewalten, und König Konrad, um seine 
letzte Hoffnung betrogen, zog sich von nun ab von jeder größeren 
Einwirkung zurück; machtlos ist er im Jahre 918 gestorben. 
Vor seinem Tode aber gab er noch einen entsagungsvollen 
Beweis der Hochherzigkeit und des Scharfblicks. Sollte der 
Gedanke der Monarchie dennoch siegen über die wuchernde Kraft
	        
Waiting...

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.