Erstes Rapitel.
Gründung des deutschen Reiches;
Erneuerung des Raisertums.
Herzog Eberhard von Franken überbrachte, getreu der letzten
Bitte seines Bruders Konrad, die Zeichen der Königswürde,
Lanze, Mantel, Krone und Schwert an Heinrich, den Sachsen⸗
herzog. Es war die uralte Form der Designation zur Nachfolge,
wie sie einst Theoderich, wie sie Ludwig der Fromme gegenüber ihren
königlichen Erben geübt hatten. Diesmal machte der Akt auf die
Nation unauslöschlichen Eindruck; im Gewande der Sage über
Heinrich am Vogelherd hat sie ihn später festgehalten. Die Herr—
schaft der Franken sollte damit auf die Sachsen übergehen; die
deutsche Kultur sollte statt in Mainz und Achen zeitweis in dem
Dörfer- und Domänenkranz des Nordharzes ihren Höhepunkt finden.
Eine Entwickelung wurde angebahnt, welche die Höhen des
deutschen Lebens auf längere Zeit losriß von der alten Römer—
grundlage des Westens; Nordhausen und Quedlinburg, Halber⸗
stadt und Hildesheim blühten seitdem empor; und noch die
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kloster zwar in Limburg an der Hardt, residierten aber gern
in Harzburg und Goslar. Den Alpen und den italienischen
Beziehungen fern, mußte die deutsche Königsmacht ihr Augen⸗
merk zunächst den Slawen und Dänen zuwenden: die Ziele
der nordöstlichen Politik Karls des Großen traten ihr sachlich
wie räumlich am nächsten.