Full text: Urzeit und Mittelalter (Abt. 1)

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Sechstes Buch. Erstes Kapitel. 
frankenkönigs für sein Königtum zu erhalten. Es gelang ihm 
in meisterhaften Verhandlungen und wiederholten Feldzügen 
der Jahre 920 bis 925, wobei er die furchtbaren Wirren im 
Westfrankenreiche — Karl wurde gefangen; neben ihm tauchte 
ein einheimischer Prätendent, schließlich Rudolf von Burgund 
als König auf — fast bei jeder Wendung trefflich für die 
deutschen Interessen benutzte. 
Um 928 waren somit die ersten Umrisse des künftigen deut⸗ 
schen Reiches von Heinrichs Hand gezogen; nun galt es, sie 
kräftiger zu betonen. Der König wirkte in dieser Richtung im 
folgenden Lustrum seiner Regierung auf naheliegendem Wege: 
er stützte überall die herzoglichen Gewalten; er bewies sich als 
treuer Bundesgenosse aller Stämme. In den Vordergrund trat 
dabei die fränkische Herzogsfamilie; ihr verdankte Heinrich die 
Krone; die Franken hatten sich von jeher als Kitt des Ostreiches 
erwiesen. Als Herzog Burchard von Schwaben im Jahre 925 
söhnelos starb, setzte ihm der König in Hermann, dem Neffen 
Eberhards von Franken, einen Nachfolger; Eberhard wurde, wohl 
um diese Zeit, zum Pfalzgraf in Lothringen ernannt, wo sein 
Geschlecht längst in einzelnen Landesteilen begütert war. Durch— 
drang so das fränkische Herzoggeschlecht Süd-, Mittel- und 
Westdeutschland mit den öffentlichen Befugnissen seiner Mitglieder, 
so gewann Heinrich selbst Fühlung mit Lothringen, indem er 
dem Herzog Gisilbert seine Tochter Gerberga vermählte. 
Das alles waren Anfänge geringer, zunächst nur persön— 
licher Natur. Dem gegenüber galt es, vor allem Sachsen, die 
stützende Heimat des neuen Herrscherhauses, den Zuständen der 
übrigen Stämme im Reiche näher zu bringen. Denn noch 
immer war der Abstand der sächsischen Kultur von der Gesamt— 
kultur des Reiches beträchtlich; trotz rascher Einbürgerung 
mancher Karlingischen Einrichtungen, des Gerichtswesens, der 
Grafschaftsverwaltung, galt in Sachsen ganz anders als im 
Süden und Westen noch altgermanisches Denken: offen opferte 
man noch Thor und Woden; streng schaltete noch ein alter Bluts— 
adel über einem Urvolk freier Bauern; und noch war in diesem 
Wald⸗ und Sumpfland die ausschließliche Herrschaft der Natural—
	        
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