Gründung des deutschen Reiches; Erneuerung des Kaisertums. 131
haltene Adel der Sachsen und Thüringer. Ihren gewöhnlichen Ver⸗
lauf wird man sich noch völlig urzeitlich vorzustellen haben. Noch
frohlockte beim Auszuge nach der Anschauung der deutschen
Krieger der dürre Wolf im Walde und der schwarze Rabe, der
leichengierige Vogel, denn kein Leben ward geschont; noch
flog der kleinen Mannschaft des kampfbereiten Etheling der
federbetaute Aaxr vor und sang ihr das Kampflied. Noch
brachte jede Niederlage der Slawen, jede Eroberung ihrer
Burgen den Deutschen Verteilung des Heerraubes an Länd
Leuten und erkämpftem Schatze. So wurden diese Grenzfehden
seit Jahrhunderten in grausamer Verbissenheit geführt; nur
mäßig war ihr Erfolg im einzelnen, nur selten kam es zu
ruhmreicher Feldschlacht.
Da griff das deutsche Königtum seit etwa 918 ein?. Seit⸗
dem erhielt der Kampf eine andere Ausdehnung und führte
schließlich zu dauernden Ergebnissen. Heinrich besiegte die
develler, indem er ihre Stadt Brandenburg eroberte; er unter⸗
warf die nördlich der Heveller bis zum Ostseestrande sitzenden
Wilzen, Redarier und Abodriten. Er zog siegreich gegen die
Daleminzier zwischen Mulde und Elbe; er bekriegte gemeinsam
mit Herzog Arnulf von Baiern die Cechen; Herzog Wenzel,
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Unterwerfung zuvor. Nachdem ein allgemeiner Aufstand der
Nordslawen in der furchtbaren Schlacht von Lenzen (5. Sep⸗
tember 929) unterdrückt worden war, folgten noch Züge gegen
die Liutizen und Milziener in der Lausitz (932) sowie gegen die
Slawen der Ukermark (938): damit konnte die allgemeine Unter⸗
werfung der Elbslawen einstweilen als erreicht gelten.
Freilich brachte sie keineswegs den Abschluß der Kämpfe.
Es war schon genug, daß an Stelle des früheren fruchtlosen
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allgemeiner Organisation getreten war. In die Burgorte der
einzelnen Stämme wurden jetzt sächsische Ethelinge mit reisigem
Gefolge gelegt in königlichem Auftrag; sie hielten die Ruhe
Die Chronologie ist sehr verwirrt. Val. Richter⸗Horst Kohl S. 14 b.
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