Full text: Urzeit und Mittelalter (Abt. 1)

Gründung des deutschen Reiches, Erneuerung des Kaisertums. 1338 
Hatte er früher in der Kirchenpolitik den süddeutschen Herzögen 
wohl ganz oder teilweise freie Hand lassen müssen, so war 
es wenigstens ein günstiger Erfolg dieser Zwangslage, daß die 
Spannung zwischen den Herzögen und ihren Sonderkirchen 
bestehen blieb. Heinrich trat mit Bewußtsein auf die Seite 
der letzteren: in einzelnen Fällen hat er bei den Bistums— 
besetzungen in diesem Sinne eingegriffen. 
Das auffallendste Ergebnis dieser Politik liegt in der über⸗ 
raschend ruhigen Vererbung der Königsgewalt von Heinrich auf 
seinen Sohn Otto vor. Es gelang dem alten Herrscher, noch 
kurz vor seinem Tode die Designation Ottos auf einem Reichs— 
tag zu Erfurt von den Großen des Reiches gutheißen zu lassen; 
daran schloß sich vielleicht die Wahl und die genaue Fest— 
stellung der künftigen Huldigungs- und Krönungsfeierlichkeiten. 
Erhält Otto nach dem Tode des Vaters die Krone zu Achen 
auf dem so oft bedrohten Boden Lothringens in Formen, die 
für die Zeit die denkbar bindendsten waren, steht eine große 
religiöse Feier im Mittelpunkte der Thronbesteigung, an der 
alle hohen kirchlichen Würdenträger des Reiches beteiligt sind: 
so erkennen wir in diesen Vorgängen den nachwirkenden Ein— 
fluß der zuletzt eingeschlagenen Richtung des ersten Sachsen⸗ 
königs, der noch siebenzehn Jahre früher gelegentlich seiner 
Wahl auf jede Hilfe der Kirche verzichtet hatte. 
König Heinrich ist am 2. Juli 936 zu Memleben, auf 
khüringischem Boden, verschieden; die hochragende Schloßkirche 
zu Quedlinburg im Sachsenland birgt seine Gebeine. Es kenn— 
zeichnet seine Wirksamkeit, daß seine gesamte Regierungszeit nie— 
mals einen eigentlichen Rückschlag der Entwicklung aufgewiesen 
hat. Vorsichtig, aber stetig fortschreitend, ist Heinrich den ersten 
Forderungen einer königlichen Gewalt in Deutschland gerecht 
geworden; leise nur, aber doch erkenntlich hat er die großen 
Linien der späteren Ottonischen Politik gezogen; durch die 
Slawenkriege, durch die schließliche Stellung zur Kirche vor— 
nehmlich werden sie angedeutet; hat doch Heinrich gegen Schluß 
seines Lebens sogar die Absicht gehegt, nach Rom zu ziehen. 
Aber eine Krankheit trat dazwischen, und der König verschied,
	        
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