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Sechstes Buch. Erstes Kapitel.
ohne die Reise gethan zu haben. Heinrich war phlegmatischen
Temperamentes, groß und schwer von Körper, im äußeren Auf—
treten bescheiden, von gelassener Hoheit, niemals sich gehen
—
keit gegen die Großen, den Armen mild, unverbrüchlich treu
den Freunden, gegen Unbekannte eher zurückhaltend, gehörte er
zu einem Schlage von Menschen, den man noch heute für die
Nordabhänge des Harzes wie ganz Niedersachsen als typisch
betrachten kann; zähe Energie und diplomatisches Geschick ver—
einigten sich bei ihm mit sicherem Blick für das Recht der
Thatsachen und freundlichem Entgegenkommen gegenüber den
Gegnern: allzeit korrekt, war er recht eigentlich dazu geschaffen,
den Frieden des Reiches von neuem zu begründen!.
II.
Über die Persönlichkeit des neuen Königs Otto besitzen wir
erst aus späterer Zeit eine Reihe von eingehenden Berichten.
Auch er wird da als schwerer Mann bezeichnet, wie sein Vater,
doch von rotem Antlitz und blitzartig leuchtendem Auge, von
wallendem Bart und spärlich grauem Haupthaar; im Verhält—
nis zum Unterkörper von breiter, haarbewachsener Brust, von
wechfelndem, bald raschem, bald langsamem Schritt: als das
Urbild eines Cholerikers; die Schilderung gemahnt an die Auf—⸗
fassung des Apostelfürsten Petrus in der Miniaturmalerei des
10. Jahrhunderts; von den Zeitgenossen, selbst von seinem
Sohne wurde der König in späteren Jahren kurzweg „der
Löwe“ genannt. In diesem Körper wohnte ein schroffer, ewig
beschäftigter Geist: selbst im spärlich genossenen Schlafe pflegte
der König zu sprechen. Gemildert erschien die Feuernatur nur
durch feste Erziehung zu allen königlichen Tugenden körperlicher
wie geistiger Bethätigung: aber gleichwohl brauste der Herrscher
auch im Alter leicht noch auf; es ist der Zug, den die deutsche
Sage bewahrt hat.
Als besonders bezeichnend für Heinrich gilt den Quellen das
modeste regere, s8. V. Maht. apt. c. 4; Sigeh. mir. s. Max. c. Il,
88. 4, 232. Doch gehört auch dieser Zug, wie manch anderer der oben
aus den Quellen verwerteten, zur Typik des mittelalterlichen Herrscher—
ideals überhaupt; s. Kühne S. 15f.