Full text: Urzeit und Mittelalter (Abt. 1)

Gründung des deutschen Reiches, Erneuerung des Kaisertums. 1837 
Phase des Aufstandes beginnt. Während Schwaben und Baiern 
dem Ringen in Mittel- und Norddeutschland unthätig zuschauen, 
stehen die Slawen gegen das Reich auf, nimmt König Lud⸗ 
wig IV. von Westfranken ausgesprochen für den Prätendenten 
Partei, schlägt sich der Episkopat an der Westgrenze Lothringens 
und mit ihm bald der Primas des Reiches, Erzbischof Friedrich 
von Mainz, offen oder geheim auf die Seite des Aufstands. 
In dieser gefahrvollen Lage siegte Otto vornehmlich durch 
seine Entschlossenheit. In rascher Diversion warf er sich nach 
Süddeutschland. Das gewann ihm die Hilfe des Herzogs Her⸗ 
mann von Schwaben, der sich als Mitglied des fränkischen 
Herzogshauses bislang neutral gehalten; es verschaffte ihm zu— 
gleich dauernden Anhang unter den fränkischen Grafen, soweit 
sie dem Herzoge Eberhard widerstreben mochten!. Hermann im 
Verein mit fränkischen Grafen schlug ein Heer der Aufrührerischen 
bei Andernach; Herzog Eberhard fiel bei dieser Gelegenheit im 
Gefecht, Herzog Giselbert ertrank flüchtend im Rheine. Fast 
gleichzeitig ergab sich am Oberrhein Breisach dem Könige, und 
schon fühlte sich Otto stark genug, die ungetreuen Bischöfe von 
Mainz und Straßburg in Gewahrsam zu nehmen. 
Heinrich stand nun einsam da; vollends verlassen war er, 
als Otto seine Verbindungen mit Frankreich zerstört hatte und 
ein freundliches Verhältnis beider Reiche anzubahnen begann, 
das im Jahre 942 sogar zum Bündnis führte. Gegenüber dieser 
Wendung blieb Heinrich nach wiederholten, immer unsittlicher 
verlaufenden Verschwörungen gegen seinen königlichen Bruder 
nichts übrig, als sich in die Lage des nachgebornen Königskindes 
zu finden. Als Otto das Weihnachtsfest des Jahres 941 im 
Dome zu Frankfurt beging, nahte sich ihm Heinrich im härenen 
Gewande des Büßers, und nun spielte sich eine jener rührenden 
Scenen ab, daran die mittelalterliche Geschichte unseres 
Volkes so reich ist. Unter den Friedenstönen der Weihnachts— 
1 Von da ab erfreuten sich die fränkischen Großen der besonderen 
Bevorzugung Ottos; vgl. z. B. für Graf Udo von der Wetterau, Bruder 
Hermanns von Schwaben, Cont. Reg. 939. So Richter III, 1. S. 41.
	        
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